Website-Icon HeavyPop.at

Tom Morello & The Bloody Beetroots – The Catastrophists EP

Tom Morello & The Bloody Beetroots - The Catastrophists EP

Tom Morello ist immer für abstruse Kollaborationen mit Vollkatastrophenpotential zu haben. The Catastrophists, seine Zusammenarbeit mit The Bloody Beetroots, erweist sich daran gemessen allerdings als erstaunlich trittsicher.

Zumindest, wenn man darüber hinwegsehen kann, dass das Zusammenspiel der beiden Partien ein doch etwas altbacken anmutendes Amalgam im 00er-Jahre Elektroclash-Spannungsfeld ergibt, was aber nur insofern relevant ist, als dass die Ästhetik der EP kompositionelle Mängel in der Substanz mittragen muß.
Den langfristigst hängen bleibende Song, das mit Handclaps schnipsende, heulender Gitarre stapfende und seine konventionellen Dance Punk-Ideale entlang harter Beats mit extrem catchy penetrierender Hook aufzwingende Radium Girls, kann man schließlich gefühlt vor allem dem Mitwirken von illustren Gästen (Pussy Riots Nadya Tolokonnikova, The Interrupters’ Aimee Interrupter, White Lungs Mish Way sowie The Last Internationales Delila Paz) zuschreiben.

Es gelingt also schon auch, über das Songwriting Eindruck zu hinterlassen, doch ist es ein die Regel bestätigende Ausnahmefall, wenn das restliche Material der Catastrophists EP nach der Maxime Style over Substance funktioniert. Und zugegeben: Gerade Morello (dem genau genommen im Verlauf kein einziges erinnerungswürdiges Riff gelingt, gelingen will und vielleicht in diesem Kontext ja auch intentional gar nicht gelingen soll) sorgt mit einer stilistischen Variabilität für Konturen im formelhaften Anachronismus-Baukasten.
In The Devil’s Infantry macht er etwa mit dunklem Sprechgesang zu düster-dystopischen Schaltkreisen einen auf William Shatner (anvisiert ist jedoch wohl Cash oder Cohen), das italienische Duo baut Spannungen auf, und gemeinsam detoniert man vorhersehbar mit fettem Breakbeat, Dubstep-Effekten und einer synthetischen Gitarrenfigur. Lightning Over Mexico drosselt den recycelten Beat von Radium Girls in den Synthwave, durchaus atmosphärisch – bis der Refrain in einen arg banalen „Ohohoho“-Stampfer kippt, ermüdende Vorschlaghammer-Strukturen eine spanischsprachige Bridge (via Ana Tijoux) als Lichtblick bieten.

Keep Going bekommt eine bluesige Americana-Patina und pumpt mit einem so simplen wie minimalistischen und kaum raffinierten Rhythmus, gefällt (sich) als croonende Pastiche, und Weather Strike (The Bloody Beetroots Remix) lebt einerseits vom Kontrast aus einer fetten Breitwand-Wucht sowie der cartoonhaften Niedlichkeit eines zurückgenommenen Synthpop, zeigt andererseits aber auch einmal mehr, dass die musikalische Beteiligung von Pussy Riot mehr ein Statement, denn eine musikalische Bereicherung ist.
Selbst über das Finale mit Field of Tigers (ein Linkin Park‘esker, nach vorne gehender Raprock mit banal anbiederndem Refrain, der auch noch so ermüdend oft wiederholt wird, quasi eine Stadion-Version von Body Count) und Mary Celeste (ein rudimentäres Audioslave-Riff wird als falsche Fährte durch die Remix-Mangel gedreht, bevor ein entspanntes Western-Szenario schippernd durch eine melancholische Stimmung galoppiert, sich in Chorus aber natürlich die dicke Hose nicht verkneifen kann) ist die The Catastrophists EP jedoch niemals tatsächlich schlecht oder misslungen, sie scheitert auch nur teilweise an der Eindimensionalität der Bloody Beetroots und einer latenten Austauschbarkeit. Dass sich das Kurzformat jedoch (abseits seiner politisch aufgeladenen Texte) rein auf einen brachial feiernden Unterhaltungswert limitiert, ist frustrierend. Allerdings auch etwas, womit man über den Erwartungshaltungen (alleine schon, weil Morello nicht das schwächste Glied der Kette darstellt) sehr gut leben kann.

Die mobile Version verlassen