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Tumba de Carne – Decatexis // Perpetuo Altar

Tumba de Carne - Decatexis Perpetuo Altar

Eine schreckliche Verkettung unverdaulicher Zustände: Tumba de Carne dekonstruieren auf ihrem Debütalbum Decatexis // Perpetuo Altar einen mit avantgardistischen Grindcore- und zähen Doom-Versatzstücken gefütterten Fleischwolf des Technical Death Metal.

Eine Spielwiese, die in den Monaten des Jahres 2021 von Defacement bis Acausal Intrusion wahrlich genug Programm bot. Tumba de Carne zeigen aus dieser Masse an Szene-Nachschub dennoch auf – sicher auch alleine wegen ihres relativen Exotenbonus als Argentinier, mehr noch aber aufgrund ihrer Herangehensweise und Methodik: Wo all die Genre-typischen Elemente rund um Dissonanz und Atonalität, rasende und schleppende Tempi, brüllende und fauchende Intonationen, rhythmische Komplexität und strukturelles Chaos zumeist als sich gegenseitig aufbauender Katalysator im Songwriting geplant ist, wirft das Quintett seinen Kompositionen praktisch permanent zusätzliche Stöckchen zwischen die Beine, zerschießt jede Form, jeden Spannungsbogen, jede erkennbare Zielsetzung mit einer Augenscheinlich selbstsabotierenden Unberechenbarkeit.

Selbst als Vertreter der Post-Obscura-Generation schreiben Tumba de Carne ihre Songs also nicht mit dem gängigen Funken einer für Befriedigung sorgenden Nachvollziehbarkeit, spendieren keine erlösenden Höhepunkte. Auch nach Wochen bleibt in diesem entmenschlichten, verdickten Morast der Sperrfeuer aus ineinander verknoteten Einzelszenen als großes Ganzes jenseits der fünf Songeinteilungen deswegen wenig konkretes abseits der Atmosphäre und Attitüde hängen.
Decatexis // Perpetuo Altar attackiert sich quasi mit einem unbedingt schizoiden Nihilismus unaufhörlich selbst, will – muß! – ein desorientierender Mahlstrom sein, der die Extreme über Kompromisse stellt und damit bewusst wie ein konfuser, zerschossener Clusterfuck voller kontrovers zerstörten Spannungen und Aufbauten agiert, den abstrakten Surrealismus mit barbarischer Intensität provoziert.

Dass all dies jedoch kein kompositorisches Unvermögen, sondern eine intentional forcierte Karambolage ist, darauf lässt auch die dualistische Ambivalenz im Soundbild schließen. Grundlegend selbst produziert und dabei eine rohe, gemeine Dreckigkeit einfangend, hat die Band Ad Nauseam-Meister Andrea Petucco für den DR-Mix angeheuert, der dem modrigen Auftreten eine differenzierte Transparenz und akzentuierte Kraft verleiht. Symptomatisch sind dabei nicht die Gitarren, sondern das Schlagzeug das dominante Element, was das Geschwülst Decatexis // Perpetuo Altar selbst für aufgeschlossene Szene-Anhänger noch unkonventioneller ausgelegt und (abseits der bisherigen Gehversuche) schwerer verdaulich machen sollte.
All dies sind nämlich Punkte, wegen derer man das Debüt von Tumba de Carne mit frustrierendem Beigeschmack ebenso leicht ablehnen, wie man es insofern faszinierender als einen Gutteil seiner nahverwandten Klassenkollegen finden kann. Die vorläufige Crux an dieser herrlich polarisierenden Sache ist höchstens, dass noch nicht jeder DNA-Strang der Band-Essenz eine unbedingt originäre Prägung aufweisen kann, und dass die genialen Einfälle fehlen, um Decatexis // Perpetuo Altar zu mehr als der Summe seiner Teile zu machen. Diese enigmatischen knappe halbe Stunde leitet all dies aber potentiell bereits in die Wege.

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