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Vanessa Peters – Modern Age

Vanessa Peters - Modern Age

Sollten Sheryl Crow, The Decemberists oder Aimee Mann in Bälde wieder einen Support Act brauchen, steht Vanessa Peters mit dem schmissigen, aber auch immer ein bisschen zu egalen Poprock von Modern Age parat.

Im knapp zwanzigsten Jahr einer Karriere mit dem schätzungsweise zehnten Studioalbum einen markanten Aufmerksamkeitsschub zu erfahren, ist eher untypisch – im Falle von Vanessa Peters, einer in Italien gestrandeten Texanerin, dank jubelnder Schriften von Plattentests bis Spiegel.de allerdings unlängst doch passiert.
Auch wenn sich die Überraschung darüber in Grenzen hält, ist diese relative Begeisterung nur bedingt gerechtfertigt – aber ausnahmsweise doch irgendwo nachzuvollziehbar. Immerhin entpuppt sich Modern Age als ungemein gefälliges und nettes, knackig mit charmanter Stimme daherkommendes, aber eben auch relativ belang- und harmlos ausgefallene Stück Nebensächlichkeit, das seinen primären Reiz daraus zieht, auf eine nostalgische Schiene zu funktionieren, indem die elf Songs wie direkt aus den 1990ern konserviert klingen.

Modern Age gönnt sich keinen Ausfall und viele schmissige Melodien im wahlweise schnörkellosen oder generischen Sound, geht ebenso gut ins Ohr, wie wieder hinaus, ist mindestens der ideale Soundtrack, um lästige Hausarbeiten die Schärfe zu nehmen – und erscheint während des Konsums vor allem auch stets deutlich besser zu seinen, als nur durchschnittlich gut. Einzig: Wirklich nachhaltig ist das alles trotz seiner musikalischen Kompetenz nicht unbedingt, zumal die Texte vom gar etwas reaktionär ausgelegten „Früher war alles besser“-Reigen im Titelstück weg nicht wirklich berühren.
Dennoch muss man Modern Age irgendwie mehr mögen, als man der Platte rein analytisch betrachtet eigentlich zugestehen würde.

Peters liefert schließlich zumeist im Uptempo gehalten unverfänglich-anachronistische Singlekandidaten wie Make Up My Mind oder das flotte Crazymaker (der seinen catchy Zug auch ohne die billig klingenden Synthies effektiv ausgespült hätte), nicht nur Never Really Gone ist versierter Shania Twain-Pop mit Americana-Flair (das im Gegensatz zu den Vorgängeralben hier nur noch im Subtext zu finden ist). Besser als die flott zum Indierock tendierenden Stücke sind dennoch die variabler aufgefächerten. Valley of Ashes groovt etwa besonders entspannt mit Klavier, das folkig eilende The Band Played On bedient sich einer von Colin Meloy sicherlich bereits patentierten Gesangslinie. The Weight of This drosselt die genormte Zügigkeit ins melancholischere, nostalgischere Flair und Yes schimmert dunkler, atmosphärischer.
Nein, wirklich – Modern Age ist wahrlich keine schlechte Sache, sondern eine, die man irgendwo doch einfach wohlwollend aufnehmen muss. Aber gerade in Relation zu den Referenzen eben auch eine, die nur einen überschaubaren Tiefgang zeigt, schnell ergründet ist und irgendwo auch schnell wieder vergessen sein dürfte. Nicht zu unterschätzen ist jedoch, dass Modern Age als verdammt kurzweilige Berieselung das kompakt gehaltene Momentum auf seiner Seite hat (und deswegen zwischen den Punkten liegend auch eine milde Aufwertung bekommt).

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