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Various Artists – Stumm433

Various Artists - Stumm433

Viel Lärm um Nichts? Mute Records respektive 58 (ehemaliger wie aktueller) Künstler des Labels verneigen sich vor John Cage und seinem Avantgarde-Klassiker 4‘33 – passenderweise unter der Seriennummer Stumm433.

Um Wikipedia für die alleine musiktheoretisch bahnbrechende und auch die konventionelle Rezeption nachhaltig verändernde Komposition zu bemühen: „It was composed in 1952, for any instrument or combination of instruments, and the score instructs the performer(s) not to play their instrument(s) during the entire duration of the piece throughout the three movements. The piece consists of the sounds of the environment that the listeners hear while it is performed, although it is commonly perceived as „four minutes thirty-three seconds of silence“. The title of the piece refers to the total length in minutes and seconds of a given performance, 4′33″ being the total length of the first public performance.

Wo das Original von John Cage also die Grenzen herkömmlicher Musik in Frage stellt, werfen die knapp viereinhalb Stunden der 5 Vinyl- bzw. CDs umfassende Compilation Stumm433 nun vielleicht zumindest die Fragen auf, wann eine Interpretation bereits tatsächlich eine solche ist, und ob man als Fan und Komplettist überhaupt automatisch alles in der Sammlung haben muß, auf dem der Name gemochter Künstler zu finden ist.
Denn auch wenn man auf Stumm433 niemals nichts hört – das ist ja auch der Clou, und dafür sorgen eben meist beispielsweise Field Recordings, unverständlich im Nebenzimmer stattfindende Gespräche, Umgebungslärm und sonstige Hintergrundgeräusche, die sich nie wirklich griffig durch die Hintertür der Wahrnehmung schleichen – ist natürlich keine Möglichkeit gegeben, das kreative Gewicht hinter der Entstehung der „Coverversionen“ festzulegen, geschweige denn den Entstehungsprozess überhaupt den jeweiligen Urheber tatsächlich dezidiert zuschreiben zu können. Der sich durch seine Version der Stille zählende Michael Gira und die rezitierende Cold Specks sind da eigentlich die einzig wirklichen (und mutigen) Ausnahmen.

So variiert die (leidlich inspirierte und zumindest fraglich ambitionierte) Herangehensweise aller Beteiligter beim Versuch die Abwesenheit von Musik darzustellen. Es gibt beispielsweise gleich zu Beginn Aufnahmen aus dem Archiv von Fad Gadget (tatsächlich: Stille) und eine Reaktivierung von The Normal seit knapp 40 Jahren. Dazu nachfolgend ein absolut imposantes Namedropping, das unter anderem Depeche Mode, Einstürzende Neubauten, Ben Frost, Erasure, Wire, Laibach, Barry Adamson, Moby (hier: ein abgedämpfter Beat, der im Drone mündet), Afghan Whigs, Mick Harvey, Goldfrapp (inmitten der sonnigen Natur), Lairs (inmitten eines Wasssertanks), Richard Hawley (inmitten der windigen Natur), Josh T. Pearson, New Order, Lost Under Heaven, Lee Ranaldo, Daniel Blumberg (im White Noise verloren), Chris Liebing (als Ambient-Maler) und zahlreiche andere inkludiert. Sich über die Veröffentlichung Gedanken zu machen, ist insofern vielleicht interessanter, als das Ergebnis an sich.
Wie oft – oder: ob überhaupt jemals – man Stumm433 trotz allem hören/konsumieren wird, sei deswegen dahingestellt – dass der Erlös des Boxsets einem guten Zweck zukommt steht hingegen fest.

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