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Various Artists – What is This That Stands Before Me?

Various Artists - What is This That Stands Before Me

Vielleicht nicht der originellste Ansatz, aber ein rundum gelungenes Schaulaufen: Sacred Bones schicken auf What Is This That Stands Before Me? neun namhafte Vertreter ihres Labelstalles durch die Diskografie von Black Sabbath.

To celebrate the 50th anniversary of both the self-titled Black Sabbath album and ‚Paranoid,‘ Sacred Bones is proud to present ‚What Is This That Stands Before Me?‘, a compilation of Sabbath covers recorded by artists from across our roster. Black Sabbath stands at the crossroad of every Sacred Bones employee and artist’s musical taste, and it was a great pleasure for us to work together to reimagine some of their most beloved songs.
Das Ergebnis ist ein (weder ausnahmslos auf Black Sabbath noch auf Paranoid zurückgreifender) ansprechender Zeitvertreib, vielleicht weniger für die puristischsten Anhänger der legendären Band aus Birmingham, allerdings doch für alle Sacred Bones-Beteiligten und deren Fans. Wie üblich bei derartigen Projekten freilich auch mit schwankender qualitativer Bandbreite – also der Reihe nach.

The Soft Moon lassen Black Sabbath staubtrocken mit Industrial-Kante hämmern, das Riff ausgemergelt und die Vocals verzerrt. Der Kontrast aus abgedämpft pumpender Coldwave-Wucht und Reduktion ist hier der Kniff, doch erschöpft sich die Version, nachdem man sich erst einmal an die Ästhetik gewöhnt hat – der Club-Abgang ist insofern smart, was auch Molchat Doma  unterschreiben. Die Band aus Minsk unterzieht Небеса и Ад (alias Heaven and Hell) schließlich an einer 80er Synthpop-Behandlung, herrlich schwülstig, billig, und authentisch, drehen hinten raus aber ebenfalls schillernd das Tempo und die Dynamik an. Eine tolle, weil so unkonventionelle Aufarbeitung.
Deutlich erwartbarer dann Supernaut: Thou können Black Sabbath einfach, das weiß man. Insofern liefert die NOLA-Gang eine zutiefst typische, feiste Blackened Doom-Walze ab. Die solierenden Gitarren und die verspielten Cowbells der Drums im Rampenlicht lassen aber jenseits des Autopiloten mit der Zunge schnalzen. Zudem schließen Thou die Eingangsphase ab, nach der sich What Is This That Stands Before Me? sich seinem stilistisch homogenen Mittelteil hingibt.

Solitude lässt sich über den komplett entschleunigten Rhythmus einer Orgel-Zeitlupenwoge treiben, die bluesigen Gitarren setzen Akzente. Tatsächlich klang Marissa Nadler, obwohl sie hier in ihrem typischen Trademark Sound nur vorsichtig verschobene Facetten bietet, schon lange nicht mehr so atmosphärisch interessant, in ihrer unverkennbar mystischen, kontemplativen Dark Folk-Handschrift so unverbraucht. N.I.B. macht dort weiter, flüstert noch körperloser, addiert aber durch das entrückte Besenschlagzeug ein hypnotisches Darkjazz-Feeling und klampft hinten raus fast schon romantisch: Eine grandios von Form und Struktur gelöste Version, die Hilary Woods hier bietet.
Zola Jesus verändert danach das grundlegende Wesen von Changes dagegen nicht, belässt das Stück als Klavierballade, inszeniert sie im Hall schwelgend aber deutlich weicher, demonstrativ leidender und flehender, als das Original. Eine balladeske Elegie im Kerzenlicht mit Stadion-Subtext, die sich letztendlich in der Transzendenz auflösen wird.

Danach gibt sich What Is This That Stands Before Me? wieder vogelfrei, was die ästhetische Ausrichtungen der Interpretationen angeht.
Planet Caravan wird in den Händen des Moon Duo eine unterschwellig beschwingte, lockere Yacht-Aufarbeitung mit Psych-Vibe, die an eine rhythmisch flottere Version von xxLebanon denken lässt, bevor sich der verträumte Gesang zu den sonnig flimmernden Gitarren und Synthies schmiegt. Über knapp neun Minuten geht die Nummer natürlich ganz bewusst das Risiko ein, sich in der entspannt groovenden Stimmung zu verlieren und nonchalant einnehmend zu mäandern – was so rundum passt.
Warning (Bar Band Version) von Dean Hurley tritt dann genau so auf, wie es der Untertitel vermuten lässt: Eine bluesrockend-stampfende, von vornherein lässig polternde und gniedelnde Instrumental-Übung in Sachen Coolness mit scheppernden Drums und abgehangenem Roadhouse-Country-Vibe. Das macht durch die Attitüde kurz ein bisschen Spaß, ist aber dann in Summe doch sehr eindimensional, weil ohne Impulse auskommend.
Symptom of the Universe verabschiedet aggressiv, stumpf und simpel aus dem elektronisch zerfressenen Noiserock den Rahmen zurück zum Industrial spannend. Uniform drehen am Ende einer Paradenummer die Regler alle exzessiv in den roten Bereich, die Drummachine und das Feedback eskalieren, und ziehen eben wie alle aufgefahrenen Interpreten ihr Ding durch. Was What Is This That Stands Before Me? zu einer ausfallfreien, aber eben auch nur im Ansatz essentiellen Verneigung macht. In Summe: Sehr fein.

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