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Venom Prison – Erebos

Nach dem auf Nummer sicher gehenden Fanpleaser-Recycling Primeval (2020) setzen Venom Prison ihren vom Hardcore kalibrierten Melodic Death Metal auf Erebos bewussten Wachstumsschmerzen aus.

Gerade der Einstieg in das offiziell dritte Studioalbum der Band aus Wales kommt einer polarisierende Prüfung gleich: Nach dem galligen Stadion-Animations-Intro Born from Chaos (das allerdings schon adäquat vorwegnimmt, dass eine sinfonische Ader und synthätische Texturen ein wenig Spielraum im Sound bekommt, der Melodiegehalt zudem drastisch nach oben gefahren wurde) servieren Venom Prison einerseits das mit Employed to Serve um einen potentiellen Support-Slot von Slipknot duellierende Nemesis (das aber spätestens dann dezenten Plagiatsvorwürfen ausgesetzt sein dürfte, wenn Corey Taylor und Co. The Blister Exists im Programm haben), nachdem das an sich sehr starke Bollwerk Judges of the Underworld mit seinem uninspiriert einknickenden, immer wieder in Schieflage repetierten „guilty as charged“-Nu Metal-Gesangs-Refrain übersättigt.

Dass dieser Anachronismus gewissermaßen für den Death will, was Errorzone 2018 für den Hardcore konnte, ist keine schlechte Idee – nur gelingt dieser Metamorphose Venom Prison mit Assoziation zu Vein(.fm) oder Fleshwater erst später überzeugend, zumindest runder und schlüssiger – etwa in Castigated in Steel and Concrete oder dem Ausklang der Hassraserei Gorgon Sisters.
Und freilich ist da mehr als alles andere das Herzstück Pain of Oizys, in dem Larissa Stupar die Strophe elegant intoniert, während ihre Band eine ambient perlende Ballade als Hommage in den shoegazenden Alternative Rockder 90er mit elektronischen Facetten unterspült – nur damit die Gruppe für den Refrain umso massiver brüllend zulangt.

Im weitesten Sinne und seinem prägenden Wesen ist Erebos jedoch weniger eine radikale Neujustierung, als eine sichere Bank in Sachen Zuverlässigkeit (nicht nur hinsichtlich des wieder fantastischen Artworks!), die auch durch die sauberere Produktion und die fette Inszenierung gewinnt. Venom Prison deklinieren ihre Formel (mit einem etwas weniger atemlosen Fluss als das die hauseigene Messlatte weiterhin vorgebende Samsara von 2019) mit souveränem Hunger und geschickt gesetzten frischen Impulsen, performen extrem kraftvoll und dynamisch, aggressiv und effektiv – egal ob wie in Golden Apples of the Hesperides der Groove Metal stärker aus dem Amalgam ragt, Veil of Night breitbeiniger rockend agiert oder Technologies of Death wie eine Symbiose aus Arch Enemy und Black Dahlia Murder mit nuanciert gesetzten Streichern und grungigem Classic Rock-Solo verabschiedet. Und dass nicht nur Rob Flynn beim epischen Doppel-Axt-Finale von Comfort of Complicity einer abgehen sollte, dürfte auch klar sein.
Weswegen Erebus auch gar nicht an all seinen nach Weiterentwicklung strebenden Fronten einen Sieg erringen muß, um die Perspektiven der Band auf einer breiteren Ebene voranzubringen.

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