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War On Women – Wonderful Hell

Let’s raisе some wonderful, beautiful hеll“ skandieren War on Woman auf ihrem dritten Studioalbum Wonderful Hell, liefern zu ihren meist starken und wichtigen Texten aber den Sturm im von Propagandhi und Petrol Girls aufgefüllten Wasserglas.

Bevor es dazu kommen kann, dass die erste Hälfte der Platte zwar stets zu niedlich und handzahm, nie unangenehm und abseits der Lyrics kaum wirklich wehtuend ihr überraschend direktes Hit-Potential vom Punkrock-Stapel lässt, muß erst einmal der (zugegebenermaßen bereits extrem schmissige, allerdings eben so enorm) plakative Einstieg in Wonderful Hell überstanden werden. Aqua Tofana stampft mit seinen breitbeinigen Riffs und Spannungen trotz Shellac-Referenz in eine ähnliche Richtung wie das Refused-Comeback und hat letztendlich zudem eine passend banale Vorschlaghammer-Hook an Bord auf Lager („Kill him/ Just kill him“), serviert seine Parole dann doch einfach zu durchsichtig, beinahe stumpf und sowohl kompositorisch als auch inhaltlich penetrant –  gibt damit aber zumindest die eingängige Schlagseite der Platte wider, die es in weiterer Folge einfach macht, stromlinienförmig abholt, und ohne Herausforderung eine  Stafette an Szene-Ohrwürmern mit politischem Gewissen serviert.

Milk and Blood drosselt seine Angriffslust zwischen Turbonegro und Social Distortion, ballt die Finger für einen kraftvollen Refrain zur Faust mit hymnischen Tendenzen und ist – gerade, weil die Nummer Ihre langweilige, konservative Struktur ein bisschen zu ergiebig repetiert – ein unbedingter Ohrwurm. Das Titelstück tritt energischer auf das Gaspedal und kreischt sogar noisiger, obgleich der catchy Chorus entgegen des Namensgebung wieder enorm auf Bekömmlichkeit gebürstet ist. This Stolen Land nimmt lange Anlauf und beschreitet einen atmosphärischen, gedrosselten Weg, skandiert zum Stoizismus und löst zur Mitte die Handbremse, bevor White Lies knackiger nach vorne gehend Green Day eine Lektion erteilt, zur herrlich sarkastisch aufkochenden Hook schnattert („We politely request you get your boots off our necks“) und sich in eine zurückgenommen Bridge stürzt, die hinten raus epischer in die Abfahrt übersetzt wird.
Das alles geht enorm gut rein, bleibt aber letztendlich auch stets ein bisschen egaler als nötig, weil War on Woman ihrem Punkrock eher Unterhaltung als Reibungspunkte bieten, inszenatorisch keine Radikalität an den Tag legen, um aus dem Singalong zu provozieren. Muss man in dieser Griffigkeit freilich auch erst einmal können.

Nach und nach wird diese Qualität des Songwritings jedoch ohnedies umgekehrt proportional ambivalenter: Der Verlauf der Nummer wird oftmals an sich interessanter gestrickt, aber weniger zugänglich; mutiger, aber nicht mehr derart knackig auf den entwaffnenden Punkt gezirkelt; weniger unmittelbar, aber vermutlich nachhaltiger; bissiger im Tatendrang, aber austauschbarer in der Substanz.
Ein zweischneidiges Schwert also, wenn Big Words rhythmisch vertrackter schraubend den groovenden Post Hardcore ohne Prägnanz eine zärtliche Seite abgewinnt, das okaye Seeds so uninspiriert wie solide galoppiert, und das düstere Her? giftiger und giftiger das Ventil öffnet, sogar in Trance rezitiert. In Your Path ist eine schnörkellose 72 sekündige Attacke mit rüduiger Attitüde und The Ash Is Not the End versucht sich an Heaviness und findet eine erfüllende Balance in der beinahe alternative-rockigen Geste, bevor Demon über sechseinhalb Minuten mit viel Stimmungsspiel das bedrohliche Ambiente mit beklemmender Anmut ausbreitet und geduldig erblüht – eben eine wonderful, beautiful hell. Weswegen War on Woman entlang vieler zweckorientierten Standards, in die man als Hörer wenig investieren muss, letztendlich leider in Summe auch ihr bisher bestes Studioalbum verschenken.

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