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Weezer – SZNZ: Spring

Spring bringt naiven Powerpop an der Grenze zu harmlosen, kindgerechten Ohrwürmern, kommt damit aber durch: Weezer eröffnen ihren Jahreszeiten-Zyklus Seasons (aka: SZNZ) generisch-charmant ohne ästhetische Themenverfehlung – aber schmissigem Hitpotential.

Nur einmal, nämlich in der etwas schwächeren zweiten Hälfte von SZNZ: Spring, schrammt die vermehrt auf (mittelalterlich-)folkige Tendenzen sowie auf Acoustic-Gitarren in den Strophen und warm bratzende Strom-Äquivalente in den Refrains setzende erste von vier EPs in diesem Jahr an der Egalität vorbei: The Sound of Drums ist ein simpler Singalong mit latenter Beliebigkeit, der im Kontext der Platte schon sehr okay mitläuft, selbst dabei aber keinen wirklich gewichtigen Eindruck hinterlassen kann.
Dabei schafft eigentlich bereits der Opener Opening Night klare Fronten für eine zuckersüß-liebliche Polarisierung: „Shakespeare makes me happy, so happy!“ trilliert Rivers jubilierend zu einer Interpolarisation von Vivaldis Vier Jahreszeiten, während die lockere Flockigkeit der erst luftigen, dann bratenden Saiten von Flöten, Lauten (?) und subtilen Synthies bis zum Classic-Solo absolut beschwingt und munter begleitet wird, und damit exemplarisch für das weitere Wesen von SZNZ: Spring steht: Ohne Auftauphase ist das vielleicht immer mal wieder ein wenig bescheuert, stumpf und seicht, dabei aber stets unbeschwert aus der Hüfte kommend, wobei die Gabe Cuomos, so scheinbar mühelos Instant-Ohrwürmern aufzutischen, ein sorgloses Grinsen herbeizaubern kann.

Im Cosplay-Look zwischen OK Human (mit Gitarren anstelle der Streicher) und Pacific Daydream (ohne Geniestreiche, aber auch ohne Ausfälle) verwurzelt ist etwa Angels on Vacation trotz seines klerikalen Intros ein direkt in die Gehörgänge ziehender Bubblegum-Sunshine-Powerpop (samt ein bisschen schattig schwofender Einkehr) und A Little Bit of Love eine gut gelaunte Ukulele-Lieblichkeit, die fröhlich stampft und klatscht, bis alle „Hey, Ho!“ mitschunkeln. Das zurückgelehnte The Garden of Eden kann so cheesy und zu bisslos sein, wie es will, weil Weezer den schlechten Geschmack mit Hooks und Melodien aufwiegen, bevor das Doppel aus All This Love (das harmonisch träumend durch den Fernsehgarten galoppiert) und Wild at Heart (ein kickend und feierlich flanierender AOR- Abgang) den Spannungsbogen der Platte fein schließt. Also mal abwarten, wie sich Across the Meadow als Vinyl-Bonustrack schlagen wird).
Und sicher: Wo das Songwriting in seiner Barrierefreiheit und sofortigen Eingängigkeit wohl nicht die längste Halbwertszeit zeigen wird (also nach spätestens dem Sommer einen Punkt in der objektiv freilich zu wohlwollenden, einen halben Zähler aufrundenden Wertung verlieren könnte), überzeugt SZNZ: Spring alleine mit der schlüssigen – ja, auch durch und durch authentischen, stimmungsvollen und liebenswürdigen – Artikulation seines Konzeptes als unkompliziertes Frühlingserwachen praktisch ansatzlos, dass die (von Weezer-Meister Jake Sinclair, Ethan Gruska sowie Suzy Shinn toll produzierte) Platte durch das Momentum im Rücken zumindest mit Fanclub-Ausweis bei der Hand ein bisschen das Herz erwärmen kann. Eine gute Ausgangslage für den kommenden Sommer jedenfalls.

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