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Whitney – Candid

Whitney - Candid

Candid versammelt zehn Coversongs, die keinen Unterschied zwischen Verneigung und purem Wohlfühlzonen-Geplänkel machen. Nicht essentiell, aber die Indie-Folk-Schmuser von Whitney können sich das locker leisten.

Platten wie Candid, die sich alleine aus Fremdinterpretationen speisen, können ja gelingen oder gar eine Bereicherung sein, indem eine Band beispielsweise sich selbst und/oder dem behandelten Songmaterial neue Perspektiven und Facetten abgewinnt; indem bei einer relativen Deckungsgleichheit Vorzüge verstärkt werden oder der Komfortbereich verlassen wird; indem auch Experimente stattfinden, die im regulären Kontext nicht möglich sind…und so weiter.
Über all diese Punkte machen sich die musikhistorisch bewanderten Max Kakacel und Julien Ehrlich offenbar keine Gedanken, legen ohne Ballast ihre Einflüsse sowie Vorlieben frei, und spielen die versammelten Songs kurzerhand allesamt im typischen Whitney-Sound am sommerlichen Indie-Folk, nett und angenehm.

In den ungünstigeren Fällen schärft dies zwar den Fokus auf die Schwachstellen der nominell längst über die Duo-Besetzung hinausgewachsenen Truppe. Dann klingt Candid unverbindlich, egal und nebensächlich, eher gefällig als leidenschaftlich – ein unterschiedlich gut sitzender Weichspüler.
Bank Head (Kelela) mit seinem sanft pochenden Beat und akzentuierten Piano-Akkorden zum standardisierten Kopfstimme-Gesang mag zwar die am Papier mutigste Songwahl darstellen, doch selbst wenn die patentiert sonnig-leichten Gitarren nur strukturoffen in die reduziert inszenierte Nummer tröpfeln, funktioniert das nur verhalten, während etwa Something Happen (Jack Arel) als Extrem eines Trends vollkommen eindruckslos vorbeiläuft. Wirklich misslungen ist im Umkehrschluss aber auch nur das prominenteste Stück, Take Me Home, Country Roads mit Waxahatchee auf der Gästeliste, wenn ein zu Tode gecoverter Evergreen exakt entlang der Erwartungshaltung langweilig entlangschippert, und sich die Sache zusätzlich schwer macht, indem nicht nur die Inszenierung, sondern auch die Wahl der Nummer so unendlich banal und uninspiriert scheinen.

Wie schon bei Forever Turned Around, das ja auf den Erstkontakt als substanzfreierer Aufguss des Debüts Light Upon the Lake auftreten konnte, nach und nach allerdings seine Feinheiten im Songwriting über die einnehmende Atmosphäre auszuspielen wusste, weiß auch Candid mit Fortdauer über eine vollkommen überraschungsarme, unspektakuläre Zuverlässigkeit schlichtweg entwaffnend unkompliziert und versöhnlich zu überzeugen.
Wie relaxtder Rhythmus in A.M. AM (Damien Jurado) dahinläuft, wie locker die Instrumentarium bis zu nonchalanten Bläsern plätschert, ist zwar praktisch unmittelbarer Komfortzone-Dienst, aber eben gerade auch wegen seiner unspannenden Bekömmlichkeit im besten Sinne bequem. High On A Rocky Lodge (Moondog) gibt sich charmant am Soul groovend, Strange Overtones (Brian Eno, David Byrne) ist rund um eine Piano-Solo geschmeidig und verspielt, pointiert und verträumt. Der behutsame Hammond Song (The Roches) agiert als bisher längste Nummer im Band-Repertoire wundervoll sanft und bittersüß, aber eben bei aktivem Konsum auch scheinbar endlos, während Crying, Laughing, Loving, Lying (Labi Siffre) locker stampfend liebenswert nonchalant auftritt, bevor Rain (Sisters With Voices) den R&B in der Lounge sucht und die Miniatur Rainbows & Ridges (Blaze Foley) friedlich entlässt. Auf lange Sicht wird man wegen dieser Songs zwar auch kein Verlangen spüren, explizit zu Candid zurückzukehren, doch läuft das Coverwerk im Kanon der regulären Studioplatten durchaus gelungen mit. (Zudem sind Whitney smart genug, diesen Reigen mit der wärmenden Sonne des Sommers im Nacken zu veröffentlichen, weswegen die Punktevergabe zufrieden und wohlwollend aufwertend ausfällt).

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