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William Basinski – On Time Out of Time

Minimalist William Basinski hat sich nach dem tollen A Shadow in Time von seinen manipulierten Tape-Loops verabschiedet, verliert auf dem enttäuschenden Konzeptwerk Time Out of Time aber auch seine Stärken aus den Augen.

On Time Out of Time is a suite of works originally commissioned for the 2017 installations ‘ER=EPR’ and ‚Orbihedron‘ by artists Evelina Domnitch and Dmitry Gelfand (in collaboration with Jean-Marc Chomaz and LIGO) for the exhibition, ‘Limits of Knowing’ at Martin-Gropius-Bau, Berlin by curator, Isabel de Sena.
Soviel gleich eingangs zum Hintergrund der Platte. Weiters ist das titelstiftende On Time Out of Time ist eine Kooperation mit the dem Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (LIGO): Basinski wollte die tonale Entsprechung der vor 1,3 Billionen Jahren stattfindende Kollision und Verbindung zweier schwarzer Löcher vertonen.
Keine Ahnung wie wissenschaftlich adäquat das Ergebnis tatsächlich ist. Rein musikalisch und ästhetisch betrachtet ist das 40 minütige (Herz)Stück der Veröffentlichung jedoch eine eher spannunsarme und leidlich interessante Mediation ohne gravierende Substanz geworden: Basinski gelingt es in diesem als imaginativer Score funktionieren wollenden Klangkosmos kaum, erinnerungswürdige Szenen oder Emotionen zu erzeugend.

Am ehesten noch in den letzten 10 Minuten der doch zu lange tändelnden Komposition. Wenn das übergreifende Space Ambient-Stück seine Reise zwar mit murmelnden Subbässen begonnen hat, dann aber (im digitalen Format irgendwann rund um das fünfte Teilssegment der Nummer) bei Badalamenti und Twin Peaks landet. Dann kommen die nebulös-schleierhaften Keyboardflächen etwas prägnanter über das ätherische Rauschen daher, wehen die subversiven Melodieahnungen in den Vordergrund, ohne jemals körperlich oder greifbar zu werden.
Das wirkt, wenn man sich bedingungslos darauf einlässt oder nebenbei eingelullt werden will. Doch transportiert Basinski diesmal auch niemals ein wirklich essentielles oder ansatzweise originäres Gefühl, praktiziert hier einen durch das Universum treibenden Baukasten-Ambient ohne wirklich nachhaltige Ideen.

Was On Time Out of Time vor der Austauschbarkeit rettet, ist dann der stimmigere – und absurderweise im krassen Gegensatz zum Titelstück eigentlich zu kurz ausgefallene – zweite Track 4(E+D)4(ER=EPR), ein „live track recorded during the aforementioned installation“, der sich allerdings nur auf der CD-Version sowie der digitalen Ausgabe der Veröffentlichung findet.
Eine sorgsam glimmernde Wohligkeit aus träumenden Synthieschwaden, die weniger durch ihre unverkennbare Handschrit glänzen, als durch die einnehmende Tiefenwirkung, sphärisch und angenehm, als würde man durch Silent Hill im warmen Sonnenschein wandern.
Weswegen die Vinylvariante, die mit der B-Seite On Time Out of Time (The Lovers) ausgestattet ist, dann auch den kürzeren zieht. Zu einer Sternstunde der Basinski’schen Diskografie wird das Projekt allerdings so oder so nicht.

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