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Wire – Mind Hive

Wire - Mind Hive

Die Postpunk-Keimzelle Wire auch heute noch an ihren ersten drei wegweisenden Meisterwerken zu messen, macht heutzutage wenig Sinn. Anhand von Mind Hive übrigens mittlerweile nicht mehr nur qualitativ, sondern auch stilistisch.

Zwar gibt es durchaus noch Verankerungen in jenem Genre, dass die knapp vier Dekaden nach Pink Flag, Chairs Missing und 154 noch zu drei Vierteln aus Originalmitgliedern bestehende, einst so visionäre Band Ende der 70er (mit) aus dem Taufbecken hob. Doch die geraten wie das meiste, dass Wire im vergangenen Jahrzehnt aufgenommen haben bestenfalls medioker, wenn überhaupt.
Be Like Them löst sein stakkatohaftes Stacksen mit quäkender Stimme ins Midtempo, doch dort pennt die Band bei der titelstiftenden Warnung beinahe ein. Auch Cactused folgt dieser Struktur der rezitierenden, repetitiv organisierten Strophe und einem gelöster gehen lassenden Refrain. Beide Segmente bleiben jedoch ohne erinnerungswürdiges Potential, und weil Wire so blutleer, kraftlos und gelangweilt performen, klingt die Nummer wie McLusky in Altersteilzeit. Selbst wenn Oklahoma sich mit einem nach vorne gehenden Rhythmus in Lauerstellung begibt, ist das also ein leeres Versprechen, weil Mind Hive eben kaum packend oder zwingend wird.

Insofern war es schlau, den Sound-Kern aufzuweichen, den Modus zu variieren. Und Mind Hive versucht sich ja durchaus an Optionen: Gerade die ruhigeren, zu Pink Floyd‘esken Space-Rock meditierenden Nummern stehen der Band dabei grundlegend.
Das reduziert durchatmende, feine Unrepentant legt sich etwa balladesk in die Atmosphäre, um zu lange 5 Minuten leicht psychedelisch zu mäandern – das milde Quasi-Interlude Shadows nimmt das Tempo danach sogar noch weiter heraus. Hung kreiert ein stimmungsvolles Ambiente, deutet Spannungen an, löst diese aber auf, als hätte Rodger Waters den Secret Machines Valium verabreicht. Was als trippige Trance gemeint ist, verkommt Angesicht der aufgefahrenen Substanz über 8 endlose Minuten zur langweiligen Nabelschau. Aktiv konsumiert ist das deswegen ebenso enervierend, wie der nicht unangenehm dösende Schlusspunkt Humming, der den Kampf mit der Belanglosigkeit gar nicht erst antritt.

Mit am meisten Momentum funktioniert deswegen auch das lockere Off the Beach, in dem Wire leichtgängig die Melodik des 90er-Britpop imitieren – und ausnahmsweise auch im flotteren Modus endlich einmal nicht so klingen, als wäre ihr Spiel ihnen selbst eine Qual. Viel hängen bleibt abseits der überraschenden Ästhetik allerdings nicht.
Leider steht mit den Erweiterungen der Perspektiven bis zum Artrock in ihrer ambivalenten Qualität deswegen auch endgültig fest, dass das Quartett nicht nicht mehr nur vordergründig am eigenen Vermächtnis scheitert, sondern es eben wirklich grundlegende Probleme im Songwriting der Band sind, die Wire auch abseits des Schattens ihrer selbst nur noch als unterdurchschnittliche Kombo mit souveränen Tendenzen agieren lässt. Ihr Studioalbum Nummer 18 soll als Nachfolger von Mind Hive dennoch noch 2020 folgen.

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