Calm and Secure – Glass In The Mouth Of The Sun
Mit dem ebenso umtrieben Trio Chaz Frazer, Sean Vandegrift und Darrell Chess im Rücken lässt Jonathan Thompson direkt nach der Gründung der gemeinsamen Emoviolence Band Calm and Secure das 13 Minuten zerfleischende Debütalbum Glass in the Mouth of the Sun von der Kette.
Mit verdienten Projekten wie The Heartland, From a Second Story Window oder Northern Widows im Portfolio hat es das Quartett aus Columbus in Ohio trotz dieser rasanten Spielzeit erst allerdings gar nicht so eilig und lässt den Opener Sleep Paralysis sanft aus der luziden Trance des Ambients erwachen – nur damit Rooms That Never Stop Sinking umso frenetischer übersteuert dort losbricht, wo sich der Screamo eine kalte Blackened-Archaik gönnt: die Drums scheppern wie maschinelle Industrial-Konstrukte, die Gitarren haken destruktiv. Die Stimmung ist harsch und hasserfüllt, keift und faucht, man darf durchaus an Slowhole denken – nur in einer wilden Emoviolence-Haltung. Am bestechendsten ist jedoch die später noch entstehende Atmosphäre, wenn ein Synth-Schimmern seltsam undeutlich und niemals ganz greifbar seine Patina erzeugt.
Szenen wie diese sind es auch, die das Potential (wie die nach oben vorhandene Luft) der Band unterstreichen.
Photograph Rot wirft sich mit wilder Grind-Mentalität in eine apokalyptische Dramatik und Corpse With My Face bremst sich etwas aus, zappelt über einem Abgrund und zeigt später mit einem melodischen Motiv und vertrackter Rhythmik die Mathcore-Wurzeln aller Beteiligten – wie auch Without Light als Riffkaskade in ein rasselnd-polterndes Hornissennest.
Liminal Static atmet dagegen als Überblenden in die ätherischer Zeitlupe durch, aus dem (die Vorabsingle) It Fell From the Sky… kontemplativ plätschernd über ein Sprachsample düster pendelt und trotzdem noch als Berserker eskaliert. Die Bandbreite ist da, doch die Band will bis kurz vor den Schluß keinen Meter zuviel machen.
Auch der versöhnliche Einstieg vom geradezu epischen Titelstück Glass in the Mouth of the Sun ist nur die Startrampe für einen Mahlstrom, der mit Kayla Phillips auf der Gästeliste die Ästhetik vom Hardcore-Spirit bis zur noise-zerfressenen Punk-Attitüde mitreißt. Was dann auch dazu führt, dass dieses hungrige und hungrig machende Versprechen an die Zukunft für den Moment sogar beinahe gesättigt entlässt.


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