Charley Crockett – Dollar a Day
Deutlicher als der vor knapp fünf Monaten erschienene direkte Vorgänger Lonesome Drifter entlässt Dollar a Day mit dem Gefühl, dass Workaholic Charley Crockett die Dinge aktuell zu überstürzt veröffentlicht.
Während I Stay Ready als hauseigener zeitloser Instant-Klassiker hervorsticht, zünden hinter dem sparsam die Solo-Acoustic/ Folk-Singer/ Songwriter-Einleitung gebenden Titelsong-Opener freilich viele tolle Songs nach allen Regeln der Crockett-Kunst.
Das fabelhafte Crucified Son etwa als relaxt-smoother Groover und Woman In A Bar als noch ruhiger und unaufgeregter klimpernder Schunkler mit extrem geschmackvoll nuancierten Streicher-Arrangements; die so gefühlvoll schwelgende Blues-Melancholie El Paso to Denver überzeugt als Einkehr mit tollem Gitarren-Solo und das instrumentale Zwischenspiel Age Of The Ram (Theme), in dem Dollar a Day an Spannung verliert, aber dafür mit cinematographischer Imagination einen veritable Bilder eines Spaghetti-Westerns erzeugt, bevor der romantische Schwofer Ballad Of A Lonesome wundervolle Bläser an der Hand nimmt – aber wie vieles im Verlauf zu kurz angebunden wirkt.
Allerdings lässt sich diesmal nicht übersehenen, dass das allgemeine Niveau der 46 Minuten dauernden Platte in Summe nicht ganz das Niveau der Post-Welcome to Hard Times-Platten halten kann. Zu viele Nummern der ausfallfreien Platte kommen nicht über gute, solide Standards hinaus, die im Hinblick auf das Gesamtwerk des 41 jährigen Texaners eine gewisse nichtessentielle Redundanz zeigen, oder einfach nicht zwingend genug zum Punkt finden – als hätte man schlichtweg länger an dem Material feilen müssen, um dessen Potential restlos ergiebig freischürfen zu können.
Zudem gibt es im Umkehrschluss auch Highlights, die versprechen, dass irgendwo im zweiten Teil der Sagebrush-Trilogie mit Shooter Jennings als Produzent ein aufregenderes Soul-Abenteuer jenseits der Komfortzone stattfinden hätte können. Der lässige Crime-Thriller Tennessee Quick Cash und vor allem das kurz vor Schluss als Red Herring aufdrehende Finale aus Destroyed, das mit seinem 60s-Verve und der treibenden Rhythmussektion so ähnlich auch von Royal Headache stammen hätte können, wenn die eine Americana-Band ohne Selbstzerstörungsmechanismus gewesen wären, sowie dem mit tollen 70s-Funk-Streichern triumphierenden Alamosa, sind insofern ein seltsam ziellos anmutende Versprechen.
„With Lonesome Drifter, it felt like we opened the portal. With Dollar A Day, we stepped through and came out the other side“ sagt Crockett. Doch tatsächlich fühlt sich die Platte eher ein wenig zu unausgegoren an, hat nicht den ganzheitlichen Masterplan, den die besten Alben des nimmermüden Musikers vorweisen können.
In den Rahmenbedingungen, dass Crockett und Jennings sich soundtechnisch noch idealer verstehen, als auf Lonesome Drifter bereits, und das Artwork von Dollar a Day zudem einfach Weltklasse ist, überwiegt allerdings selbst im Falle einer Enttäuschung die hochklassige Zuverlässigkeit.


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