Dälek – Brilliance of a Falling Moon
Im Windschatten der Kooperation HAYWARDxDÄLEK malen Dälek „a fiery portrait of life and resistance in fascist America“ und destillieren mit Brilliance of a Falling Moon ihr bisher vielleicht direktestes Album überhaupt.
Eine These, die sich primär auch die kompakte Spielzeit (8 Songs in 39 Minuten), die grundlegende Homogenität (stilistisch, vom Tempo oder der allgemeinen Tracklänge her) sowie das The Essence nahtlos folgende Songwriting der von Erik Larsons 2011er-Roman In The Garden of Beasts inspirierten Platte bezieht, keineswegs auf den Sound: der Mix von Brilliance of a Falling Moon ist betont staubig seine Lagen durchdringend, eher schlammig als verwaschen; er setzt höchstens mit Kopfhörer-Gebrauch auf einen prägnanten Punch.
Ein Umstand, der die Produktions-Entsheidungen von Dälek einmal mehr bei einem Gutteil der Hörer zu einem Zankapfel machen wird – im Umkehrschluss aber extrem zur in sich geschlossen brütenden Atmosphäre der Platte beiträgt.
Vom Opener Better Than weg klingen die Noise-Gitarren und die smoothen Beats wie in abdämpfende Watte aus Asbest gepackt, auf einem diffusen Valium-Trip. Der in Trance kopfnickend groovende, repetitiv gesampelte Chor verstärkt zudem das Gefühl, als hätte das über die Jahre ohnedies immer zugänglicher werdende Duo MC Dälek und Mike Manteca (alias Mike Mare) mit Brilliance of a Falling Moon endgültig ihre eigene, abstrakte vom Hardcore Hip Hop komprimierte definitive Version des Boom Bap aufgenommen.
Wo Spannungen sich verdichten, sich aber der Entladung verweigern. Wiederholungen nicht aushöhlen, sondern systematisch an der Hand nehmen und einlullen.
Denn spätestens abseits des eröffnenden Trios aus Better Than, Knowledge | Understanding | Wisdom und Normalized Tragedy sowie der die Daumenschrauben nochmal enger ziehenden Klammer By the Time We Arrive in El Salvador ist das (je nach Untitled-Zählweise neunte oder) zehnte Album der Amerikaner erstaunlich relaxt und entspannt ausgefallen. Nein, eher wie eine postapokalyptische Kontemplation, ein unaufgeregtes Wandern durch einen düsteren Albtraum, der keine offenkundige Verstörung abseits der subversiven Beklemmung mehr braucht.
Ein bisschen so, als würden Dälek ihrem Amerika eine eigene ästhetische Form der Geborgenheit entgegenstellen.
Zumindest auf musikalischen Ebene. Denn die Texte sind im Einklang dazu wenige abstrakt und setzen im deliranten Flow auf eine Präzision, die ein For the people wie einen kosmisch im schwarzen Loch verhallenden Schlachtruf inszeniert. „I’m prepared to spill blood for my culture“ rappt Dälek und weiß schon zuvor „It’s always been a class war / They claim that it isn’t„. Er redet nicht um den heißen Brei, sondern fließt wie unerbittlich den Stein aushöhlende Lava über den politischen Status Quo der Welt. Was in Summe nicht die auslaugende, herausfordernde Größe der 00er-Meisterwerke seiner oft kopierten, aber nie erreichten Platteform erzeugt, aber dies mit einer besonders pointierten Griffigkeit aufwiegt.


Kommentieren