Giallo – Tenebrarum
Man kann sich auch ohne großes Hintergrundwissen ein paar elementare Dinge über das ominöse Quartett Giallo anhand ihres Debütalbums Tenebrarum zusammenreimen. Etwa, dass die Filmfans schon wütend waren, bevor Minneapolis zum politischen Brennpunkt der USA wurden.
Sich implizit vor Argento verbeugend, ist Tenebrarum zwar die direkte (ergiebiger ausformulierte, zumal etwas weniger roh und harsch den LoFi-Sound attackierende) Fortsetzung der selbstbetitelten 2022 Debüt-EP der Band, doch schlägt man der Unmittelbarkeit und Vorhersehbarkeit ein Schnippchen: Den Einstieg in die Platte besorgt mit dem dunkel zwischen Dark Ambient, Power Electronics und Harsh Noise pulsierenden Alptraum Silentium nicht nur ein stilistisch ausbrechendes Szenario, sondern gleich eine andere Band – Terror Cell Unit!
Passend dazu schließt dieses aus Mackenzie Chami und Samuel Torres bestehende Duo den Rahmen der Platte auch gewissermaßen wieder , indem (das gut ein Viertel der insgesamt 21 Minuten Spielzeit einnehmenden – und wegen der relativen Länge des nachfolgenden Closers gerne die Position mit dem Opener getauscht haben dürfenden – ) Broken Mirrors & Broken Minds die Frequenzen und Schaltkreise sedativ und pastoral brutzeln lässt.
Allerdings legen Giallo selbst dann ohnedies noch einen eigenen Epilog nach und husten mit Black Cat jenen sludgigen Batzen aus, der – epischer und doomiger angelegt durch das Saxofon von Spencer Ouellette ein Delirium zwischen Post Punk Jazz und dissonantem Noiserock Erze erzeugend – angesichts eines sonst so rasanten Hardcore Punk-Rausches im Hals gesteckt war.
Im Regelfall müssen Giallo ihren vor Verzweiflung und infernaler Energie getriebenen Sound noch nicht mal über die Zwei-Minutengrenze hinauspeitschen, im Extrem genügt weniger als eine: Die lärmversessene Furie Teeth of Glass radikalisiert sich etwa in gerade einmal 32 Sekunden.
Später reißen Songs wie das noch kürzere Inferno Bloodshed die Grenzen zum Grind nieder, gönnen sich dennoch Schikanen und Riffs (Tears of Blood) oder eine dreckige Crust-Panier (The Cat’s Eye), während ein Lips of a Killer vom kloppenden Berserker mühelos zum garstigen Rocker umschaltet, und die von Frontmann Jake VanKempen prolongierte Essenz der Band ohne avantgardistischen Ansatz über eine enorm bissige, eher universell angepisste und ästhetisch fesselnde, denn revolutionäre Perspektiven bietende Umsetzung destilliert: „(…) Our Sound (…) is fast and mean. Musically, I think we would agree on Void and Deep Wound. I write lyrics about my favorite giallo films and killing people.“ Genau so hört sich dieses räudige Ventil an.


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