Hilary Duff – Luck… or Something

von am 1. März 2026 in Album

Hilary Duff – Luck… or Something

Hilary Duff legt sich mit Luck… or Something, ihrem ersten Album seit elf Jahren, relativ ungeniert in gemachte Betten. Was jedoch überraschenderweise erstaunlich überzeugend funktioniert.

Für ihr Comeback versucht Lizzie McGuire gar nicht erst zu verschleiern, wessen Sound sie adaptiert und bespielt den marktwirtschaftlich rentablen Raum zwischen Carly Rae Jepsen (die ja aktuell abseits des Studios ihr ihr erstes Kind erwartet) und Taylor Swift (die den Arbeitsprozess momentan mit redundanten Remix-Updates des The Life of a Showgirl-Materials ausgelagert hat) – so ganz ohne falsche Originalitätsansprüche sogar, oftmals praktisch deckungsgleich zu den beiden allgegenwärtigen Assoziationen: Im etwas blasser werdenden Abgang (bis auf die kontemplative Club-Synth-Melancholie des Closers Adult Size Medium, die eher ein vages Chvrches-Panorama entwickelt) stärker von der Kanadierin abpausend, zum Einstieg nach dem schmissigen Weather for Tennis näher dran an Swift.

Eigentlich dreist, oder? Doch wie entwaffnend, reif und doch unverbindlich, locker und luftig, wiewohl auch nachdenklich das zu jedem Zeitpunkt passiert, legt eine Nonchalance an den Tag, die man einfach sympathisch unkompliziert finden muss.
Klar, die Kompositionen an sich sind nicht aufregend – die Melodien sind angenehm und die Hooks unspektakulär, kein Refrain packt wirklich zwingend, aber jeder geht gut ins Ohr. Alles wirkt authentisch, nichts bemüht oder aufgesetzt, sondern unaufgeregt auf Klasse und Understatement setzend – was die Songs gewissermaßen zu Pop Muzak im positiven Sinne macht.
Wo Jepsen und Swift dem Formatradio größere Hits liefern, überzeugt Duff nämlich auch mit interessanten Texten auf persönlicher Ebene und fühlt sich in der kongenialen, auf kompakte 37 Minuten destillierten Produktion von Ehemann Matthew Koma merklich wohl.

Egal ob die smooth rollende Familientherapie We Don’t Talk die Dynamik etwas anzieht oder das tanzbare Future Tripping ebenso schön subtil arrangiert ist, wie das dezent treibende Growing Up: Das Gespür für Ausgewogenheit ist da, eine relative Tiefe ebenso. Das ist ein Können, das niemandem etwas beweisen muß.
Vor allem das Herzstück von Luck… or Something (in Form der bezaubernd ruhigen Reduktion The Optimist, die vom folkigen Ambient träumt, sowie des Tennis-tauglichen You, from the Honeymoon mit seiner weichen Rhythmussektion) zieht so gefühlvoll in seinen Bann, dass dieses über den Erwartungen liefernde Comeback stets ein bisschen mehr als eine durch und durch nette Berieselung darstellt.

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