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Mando Diao – Stop the Train, Vol. 1

Mando Diao - Stop the Train, Vol. 1

Stop the Train, Vol. 1 unterstreicht, dass das kompakte EP-Format Mando Diao mittlerweile einfach besser steht, als die zu viel Leerlauf produzierende Albumlänge – mehr noch aber, dass nichts den Autopilot der Schweden stoppen kann, wenn er erstmal auf Schiene läuft.

Nach der offenbar hiermit proklamierten relativen Rückkehr von elektronischen Geschmacklosigkeiten zu den angestammten Grundkompetenzen der Band, sind die Ansprüche, die Stop the Train, Vol. 1 dabei stellt, als Achillesferse der EP ermüdend.
Im Quasi-Titelsong imitiert ein Beat im Hintergrund den schnaufenden Stoizismus einer Dampflok und bleibt – bis auf ein bisschen mehr Stampfen im Chorus – die gesamte Spielzeit über genormt durchlaufend, komplett variationslos- und überraschungsfrei. Auch das dunkel klimpernde Piano, das nebenbei ein bisschen Saloon-Feeling und hinten raus sogar in den (freilich nicht kommenden) Jam-Exzess abzudrehen andeutet, scheint  nach Copy/Paste-Schaffensprozess gestaffelt.

Exemplarisch für den allgemeinen MO von Stop the Train, Vol. 1: Mando Diao reihen in einfachster Form extrem schnell zugängliche, ebenso aufwandfrei wie reibungslos erfassbare Segmente auf strukturell simpelste Weise aneinander, folgen dem immer gleichen Strophe-(fetter inszenierter) Refrain-Muster vorhersehbar, und gerade das Schlagzeugspiel der EP wäre wohl sogar für einen rein auf den Arbeitsprozess konstruierten Roboter einfach nur ermüdend ambitionsbefreit.
Diese forcierte Langeweile (vor allem in der Rhythmusarbeit, aber auch in der sonst auf Nummer Sicher gehenden Routine des restlichen Instrumentariums) ist deswegen schade, weil an sich jede Nummer hier ein Ohrwurm wäre.

Gerade der Mittelteil der Platte verspricht live durchaus Spaß machen zu können. Animal wuchtet sich auf der einen Seite riffend wie ein Royal Blood-Baukasten aus der Black Keys-Perspektive und poltert dazwischen mit Tribal-artigen Drums und mehr Gefühl – sehr catchy, aber halt abseits des schmissigen Momentums keinen Reiz aufgrund der faulen Stromlinienförmigkeit erzeugend. Das flott grummelnd heulende, lässig und cool agierende Frustration macht seine Sache ebenfalls straight und kompetent, dazu kommt als Finale ein nettes Solo mit imitierter Wildheit.
Was man den Songs soweit auch zu gute halten kann, ist, dass sie schlau genug sind, ihre offenkundig vor sich hergetragene Agenda auf eine halbwegs kompakte Form zu destillieren und damit niemandes Zeit wirklich zu verschwenden.

Loner schließt den Kreis (und der stimmungstechnisch Klammer) danach als Closer mit vier Minuten und längster Spielzeit entlang der allgegenwärtigen Crux den ästhetischen Bogen zu Stop the Train spannend – wieder mit abgedämpfter trottendem Schlagzeuspiel, das ein so eiliges wie unaufgeregtes Tempo angibt und die Ästhetik rundherum weich und nostalgisch mit melancholisch konstruierter Sehnsucht ausstattet: eine an sich feine, ambienter ausgelegte Nummer, die jedoch mangels jeglicher Raffinesse ihr Potential vertändelt und einen fast ärgerlichen Nachgeschmack lässt.
Mit ein paar kreativen Reibungspunkten oder spannenden Impulsen abseits der Fließband-Komfortzone hätte Stop the Train, Vol. 1 angesichts des bei Björn Dixgård immer noch unleugbar vorhandenen Händchens für eingängige Melodien sowie dem gewachsenen Gespür für gefühlvolle Momente eine wirklich gute EP werden können. Bleibt zu hoffen, dass die versammelten – innherhalb von 15 Tagen mit Produzent Charlie Storm in rascher Eile entstandenen – 12 Minuten der EP noch einen rückwirkenden Feinschliff bekommen, bevor sie als erster von insgesamt drei geplanten Teilstücken schlußendlich in einem Langspieler aufgehen. Die hier folgende Wertung (mit der Aufrundung zwischen den Punkten) ist insofern zumindest als zuversichtlicher Zweckoptimismus zu verstehen.

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