Shaking Hand – Shaking Hand

von am 27. Januar 2026 in Album

Shaking Hand – Shaking Hand

Shaking Hand aus Manchester empfangen anhand ihres zwischen den Stühlen des Indie, Midwest Emo und Post- wie Mathrock sitzenden Debütalbums all jene mit offenen Armen, die die 90er vermissen.

Obwohl George Hunter (Vocals, Guitar), Freddie Hunter (Drums) & Ellis Hodgkiss (Bass) zu jung sind, um die Zeit vor der Jahrtausendwende aktiv erlebt zu haben, fangen sie die damalige Stimmung (mit eine gar nicht so britischen Blick auf amerikanische Vorbilder wie Slint, Duster, Built to Spill oder Yo La Tengo) ideal ein. Sie finden damit irgendwie potentiell gleichzeitig das Vermächtnis von Palm wie auf eine Linie mit Kollegen wie Deathcrash, während nicht nur das etwas zappeliger einen straighteren Drive nach vorne pflegende In for a… Pound! als Liebkind von Ought und Sonic Youth anmutet.
Ganz so also, wie es die für den Albumkontext leider ausgesparte Vorabsingle Over the Coals getan hat.

Keinen Hehl aus den Referenzen machend spielen Shaking Hand ihre Songs dabei strukturoffen und formfrei wandernd, als gelte es, in einem grundlegend zur Genüge erforschten Gebiet immer noch kleine, dezente Abenteuer erleben zu wollen.
Die Kompositionen sind ein Exerzieren vom Beherrschen, Halten und Balancieren intrinsischer Spannungen. Sie drängen sich nicht auf, aber belohnen nachhaltig wachsend. Artikulieren sich über windende Passagen, die immer wieder catchy Augenblicken begegnen, diese allerdings ebenso wenig forcieren, wie expressive Ausbrüche oder allzu naheliegende Höhepunkte. Die Atmosphäre ist warm und weich, doch die Band hat sich ungeschliffene Kanten behalten – und deutet zwischen den Zeilen immer wieder an, die noch nach oben verbleibende Luft zukünftig wohl locker ausfüllen zu können.

Von Sundance weg verwachsen plingende Gitarren plätschernd und unaufregend schwelgend und Night Owl betont gerade hinten raus die subversive Weise, mit der hier Dynamiken umgeschichtet werden.
Die ruhige und bedächtige Geduld von Mantras schwingt sich zur Mitte hin einprägsam auf (wo der im Mix niemals dominierende Gesang sonst oft eher eine blass begleitende Erscheinung bleibt) und Up the Ante(lope) ist in Relation gar ein interner Hit und sicherlich das griffigste Aushängeschild der Platte.
Gegen diese beiden Highlights wirkt das pavement‘eske Italics schon beinahe zu träge mäandernd (ja, manche Passagen könnten im Verlauf einfach generell zwingender zum Punkt finden!), bevor es bis zum traumhaft aufgelösten Finale von Cable Ties als wohlüberlegte Verneigung vor dem Nosferatu Man einfach nur schön ist zu hören, wie alle Zahnräder hier in sich greifen, wie Repetition und Variation Hand in Hand gehen, und der sorgsam aus der neuen Welt übernommene Sound auf der Insel gut aufgehoben ist.

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