Stephen O’Malley – Spheres Collapser
Unmittelbar vor der Geburt des selbstbetitelten zehnten Sunn O)))-Albums holt Stephen O’Malley noch die in den Archiven schlummernde Orgel-Drone-Suite Spheres Collapser ans Nicht-Tageslicht.
„The album was recorded on Les Grandes Orgues (Scherrer (1777), Walker (1867), Kuhn (1995)) at Église Saint-François, Lausanne, Switzerland, on Christmas 2021, initially composed by Stephen within a suite titled Les Sphères (effondrez-les) Phases I-V, for a collaboration with Belgian/Swiss choreographer Cindy Van Acker. Performed by Stephen O’Malley, Kali Malone & Frederikke Hoffmeier.“ So steht es in den Liner Notes der (in physischer Form in überschaubarer Auflage erschienenen) Platte.
Warum Spheres Collapser nicht als Kooperationsprojekt tituliert veröffentlicht wurde, bleibt in weiterer Folge ein Mysterium. Immerhin ist vor allem Malones Einfluss überdeutlich – man muss während der 50 minütigen Spielzeit praktisch unentwegt an das Elevate-Gastspiel des Ehepaars 2025 im Grazer Dom denken.
Auch hier ist neben der Instrumenten-Wahl durchaus essentiell, welche Wärme die grundierend vibrierenden Drone-Lagen von Phase I Organ in ihrem sanft wogender Wellengang ausbreiten, während die ziselierten Orgel-Schattierungen darüber mysteriös schimmern. Während die Basis immer dichter und voluminöser wird, treiben diese oberen Lagen unheilvoll und wohlig in einer Art heimeligen Suspense über dem trüben Nebelmeer, bevor das das letzte Drittel des ersten, rund 27 minütigen Reigens kurzzeitig mehr aktive Aufmerksamkeit fordert, indem es die Kontraste disharmonischer herauszufordern scheint, den Raum dann aber zur Basis der minimalistischen Landschaft zurückkehrend klärt.
Phase II Organ gibt sich da vergleichsweise noch unspektakulärer, ist Score-artiger angelegt und wirkt in seiner nicht greifbaren Schönheit wie das wundersame Beobachten einer in Distanz stattfindenden Evolution in Zeitlupe – ein bisschen auch wie ein elegisches Äquivalent zur Atombomben-Szene in Twin Peaks?
Meditativ und flächig zielt die pastorale Klang-Tapete mit ihrer Grandezza jedenfalls weniger auf spirituelle Esoterik ab, denn auf die ambiente Imagination, die sich im generischen Wesen durch ihre effektive Funktionalität behaupten kann.
Oder: Spheres Collapser ist ein – im (sehr) guten, obgleich nicht besten Sinne – auf den Tasten der Orgel wegdösender Fanpleaser für Genre-Anhänger des Hauses O’Malley & Malone.


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