Willie Nelson – Workin‘ Man: Willie Sings Merle

von am 3. Dezember 2025 in Album

Willie Nelson – Workin‘ Man: Willie Sings Merle

Das Wer ist hier mindestens ebenso schwerwiegend wie das Was. Denn Workin‘ Man: Willie Sings Merle ist nicht nur ein Tribut an einen alten Freund von Mr. Nelson – sondern gleich an seine ganze Family.

Ein Blick in die Credits (respektive auf den Beipackzettel) von Willies 78. Solo-Studio-Album – bzw. seinem 155. insgesamt, zu denen ja auch u.a. die Merle Haggard-Kooperationen Pancho and Lefty (1983), Seashores of Old Mexico (1987), Last of The Breed (2007) oder Django and Jimmie (2015) zählen – fühlt sich wie das Bergen einer (wohl vor 2020 hinterlegten) unschätzbar wertvollen Zeitkapsel an:
Produced by the artist with longtime collaborator Mickey Raphael, the album was recorded at Nelson’s Pedernales Studios in Austin and features the final recordings he did alongside longtime Family band members “Sister Bobbie” Nelson and Paul English. Constants in Nelson’s personal and professional world longer than anyone, Sister Bobbie on piano and English on drums are joined by Raphael on harmonica, Kevin Smith on bass and Paul’s brother Billy English on drums and percussion.

Und ja, nüchtern betrachtet spielt Nelson hier einfach nur Haggards größte Hits und justiert Evergreens wie Mama Tried oder If We Make It Through December mit eigener Handschrift nach – meistens munter und beschwingt, manchmal gemütlicher wie in Silver Wings, Today I Started Loving You Again, Swinging Doors oder Somewhere Between.
Doch die Personalien sorgen dabei dafür, dass Workin‘ Man: Willie Sings Merle auch ohne originären Ansatz oder ausnahmslos dem Greatest Hits-Pfad folgend, bar jeglichen Verlangens, tiefer in die Materie abseits der offenkundigsten Vertreter des Haggard’schen Katalogs einzutauchen, einen dezent magischen Zauber entfaltet. Das Aufnahnen klingt nämlich wie eine klassische Nelson-Platte, von der grandiosen Family Band mit soviel Gefühl getragen, wunderbar jazzig swingend, immer wieder in exzellente Soli aufbrechend, und vor allem zu klimpernden Ausflügen in die Honky Tonk-Bar schwelgend.

Der Sound ist viel organischer und natürlicher als bei Buddy Cannon, die (trotz wohl nur weniger vergangene Jahre einen eklatanten Unterschied zu Willies aktueller Form aufzeigenden) Vocals weitaus weniger gebügelt.
Immer wieder wird man Zeuge der tollen Atmosphäre im Studio, die über viel Freiraum verfügende Spielfreude aller Beteiligten überträgt sich ansatzlos, das ohnedies schon so witzige Okie From Muskogee bekommt passenderweise eine zusätzliche Pointe („And white lightning is still the biggest George Jones song!“).
Ja, das ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die einem alten Freund auf unspektakulär zeitlose Weise die letzte Ehre ohne sentimentalen Kitsch auf die naheliegendste Art erweist.

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