A New Day – Held Under An Incandescent Sky

von am 5. Oktober 2026 in EP

A New Day – Held Under An Incandescent Sky

Die Früchte hierfür werden sie wohl erst später ernten, doch während A New Day im Hier und Jetzt Bauchschmerzen bereiten, sorgen noch deutlicher als bisher für die nötigen Rahmenbedingungen für eine charakterstarke Karriere: Held Under An Incandescent Sky ist nach der Vorstellungsrunde So Close to Perfection… die zweite EP der anachronistischen Metalcore-Epigonen. 

Das erste, nach eigener Definition von Helden wie A Long Winter, Hopesfall oder Broken by Silence inspirierte Kurzformat 2025 hat dem texanischen Sextett nicht nur viele Freunde in der Szene gebracht, sondern auch einen Vertrag mit DAZE. Umso erstaunlicher also, dass Brenden Riker (Vocals), die Gitarristen David Falcon und Noah Benavidez, Steve Colina (Bass, Vocals), Schlagzeuger Elijah Vega sowie George Gonzales (Synthesizer, Elektronik) sich dennoch nicht damit begnügen, sich in der Komfortzone dieses Senkrechtstarts auszuruhen.
Held Under An Incandescent Sky bleibt der bisherigen Linie der Truppe zwar treu, steigert die Dosis seiner Ingredienzien aber und verschiebt die Gewichtungen im Sound markant – auch mit bewusst polarisierender Konsequenz.
Die Synths nehmen nun einen viel prominenteren Platz im Mix ein, kleistern den 00er-Metalcore-Tribut ein bisschen willkürlich und penetrant mit luzidem Goth-Flair zu – so weit im Mix nach vorne gestellt gar, dass der Metal seine packende Griffigkeit verliert, obwohl das greinende Death-Gebrüll mittlerweile das Spektrum der Vocals (vielleicht eine Spur zu bemüht) dominiert.

Hinter dem stimmungsvollen Ambient-Intro The Carving Of… sind dies Justierungen, die jetzt noch mit ambivalenten Kinderkrankheiten einhergehen, die sich aber auf lange Sicht rentieren sollten.
Denn alleine dafür, wie This Beautiful Deception generische Tendenzen, unstreitbares Talent, effektives Know How und ein bisweilen zum Clusterfuck tendierendes Songwriting absolut solide mit eigen(willig)er Handschrift ausstattet, um sich eine klare Identität von der Masse abzukanzeln, muss man der Band Respekt zollen. Direkt in Dahlia übergehend, gönnen sich A New Day dann auch mal einen flehenden Emo-Klargesang mit tackernd-moshernder Funeral for a Friend-Liebe, bevor hinten raus die weibliche Aura hinten verträumt durchatmet.

Ulalume nimmt sich Zeit um besonders melodisch und hymnisch erhebend zu starten, und schrubbelt dann, bis die harmonische Mehrstimmigkeit so willkürlich wie cheesy auftaucht – nur damit Love :22 die vorweggenommene Situation schlüssig auflöst, volle Sehnsucht schmachtend.
Das zeigt, das die Songs von Held Under An Incandescent Sky für sich betrachtet auf den ersten Blick vielleicht weniger gelungen erscheinen können, als jene von So Close to Perfection…, sie aber eigentlich nur ganzheitlicher mit dem Blick auf das Gesamtwerk gedacht sind und die Summe nach kurzer Eingewöhnung einfach rund funktioniert.
Das abrupte Ende der EP (die so eher wie der unvermittelt abgedrehte erste Part eines Albums wirkt) ist insofern ziemlich frustrierend. A New Day deswegen vom Radar der interessantesten Revival-Newcomer zu verlieren, kommt aber keineswegs in Frage.

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