Baxter Dury – Allbarone
Paul Epworth hat Baxter Dury mit Allbarone dessen bestes Studioalbum seit (dem freilich noch ganz woanders stattfindenden Debütalbum) Len Parrot’s Memorial Lift auf den Leib geschrieben.
Eine Pause von rund einem halben Jahrzehnt beendet ein derartiger Produzenten-Gigant freilich nicht für halbe Sachen. Also dirigiert er den Signature-Modus von Dury weiter hin zum Club und New Wave, macht das Songwriting einerseits griffiger und direkter, andererseits auch variableren und vielseitiger, stattet Miniaturen mit mehr Volumen sowie Kraft aus, und verleiht dem Sound damit jene Dichte und Statur, die er auch auf den Tanzfläche ziehenden Indie Bands der 00er Jahre mit auf den Weg gegeben hat.
All diese Maßnahmen schärfen die homogene Handschrift des 53 jährigen Protagonisten, der sich unter der musikalischen Leitung ganz auf seine Rolle als poetisch erzählender Dandy konzentrieren kann, machen Allbarone einerseits zu einem typischen Baxter Dury-Werk und andererseits auch doch zu einer Zäsur, die sich merklich von all seinen Vorgängern abhebt.
Gleich der Titelsong pumpt seine Beats etwa konsequent auf die Tanzfläche – Dury redet zu der Hook von Stammgast JGrrey: ein extrem simpler Baukasten als Spaß machender Hit, der höchstens ein klein wenig zu lang ausgefallen ist.
Was angesichts der generellen Kurzweiligkeit der Platte aber kein Problem darstellt. Schadenfreude liebäugelt mit einer Chromatics-Drive-Ästhetik und Kubla Khan ist kontemplativer tänzelnder Retro-Futurismus mit herrlich fusselig dröhnender Bassline. Alpha Dog klatscht mit ein wenig mehr Funk und Streichern in eine Zeit, als Sophie Ellis-Baxter an Tanzturnieren teilgenommen hat, distanziert und cool. In The Other Me orientieren sich der knubbelige Tieftöner sowie der stacksende Rhythmus näher an The Streets oder Gorillaz, derweil die dunkel gepitch gesungenen Vocals in Hapsburg so lässig hinter den Synthpop der 80er marschieren, aber stets im Bannkreis von Durys charismatischer Aura bleiben.
Und nachdem Return of the Sharp Heads mit zurückgelehnt klatschendem Groove über vage schimmernden Texturen so schmissig im lethargischen Chor als Giftspritze skandiert, läuft Allbarone auf seinen letzten Metern sogar noch weiter zur Bestform auf: Mockingjay hat eine erhebende Präsenz, holt ab und trägt nach vorne, bevor die Lounge von MrW4 luftig schwelgend in die Welt hinaus erblüht: Selbst wenn der lamoryante Exzentriker Dury dabei auf emotionaler Ebene immer noch keine universelle Hebelwirkung erzeugt, ist seine Reibungsfläche spätestens hier über das Nischenprogramm hinausgewachsen.
Was nach B.E.D und Baxter (These Are My Friends) einmal mehr unterstreicht, wie gut dem Nylon Panther der kooperative Prozess steht.


Robert Hahne - 16. Dezember 2025
Recht späte und m.E. unterbewertende Rezension eines Werks, das gerade vom Rolling Stone zum viertbesten Album des Jahres gewählt worden ist…