Trauma Ray – Carnival
Mit Chameleon haben Trauma Ray vor knapp zweieinhalb Jahren den seit ihrer Bandgründung 2018 stetig aufgebauten Szene-Hype zumindest souverän bestätigt. Dort macht die EP Carnival nun ansatzlos weiter.
Nicht nur stilistisch, mit dem runden Schulterschluss aus 90er-affinem Alternative Metal und einer trendigen Auffassung des Shoegaze. Sondern auch indem Carnival den Eindruck festigt, dass die Texaner zwar nach wie vor ausformulierte Ästheten sind, diesen Umstand aber weiterhin nicht in spannendes Songwriting ummünzen können.
Nach dem mit einem melancholischen Geplänkel die Atmosphäre setzenden Intro Carousel ist das direkt veranlagte Hannibal in Summe deswegen auch der fesselndste Song der EP: Rund um ein grungiges, heavy angelegtes Riff, auf das sich frühe Tool ebenso wie junge Deftones einigen können dürften (oder: „Stone Temple-y, Alice in Chains-y,“, wie die Band selbst auch nicht unrichtig deklariert!), spannen Trauma Ray eine elegische Sehnsucht und führen ihren Eklektizismus über eine melodisch erhebenden Chorus – im Gegensatz zu weiten Strecken des restlichen Carnival – relativ zwingend auf den Punkt.
Das getragener und sphärischer angelegte Méliès zieht sich dagegen aus einer vielversprechenden Ausgangslage bis zu einem komplett entschleunigten Ausklang zu lang(w)e(ilig) und enervierend, weil es den stimmungsvollen Tiefgang nur mit generischen Bauteilen, aber ohne spannende Intensität hinbekommt. Funhouse wacht in einer geradezu doomigen Zeitlupe auf und schleicht danach auf mystischen Samtpfoten leise und bedächtig mit noch androgyner schwebendem Gesang auf dem Kontrast seiner Evolution – wieder aber funktioniert der grundlegende Style so viel besser, als die austauschbar werdende Substanz.
Ähnliches gilt für das wieder unmittelbarer angelegte Clown, das sich als ausgewiesener Failure-Fan zwar weirdere Texturen in Schieflage gönnt, alsbald aber die angestammte Formel als reines Business as usual dekliniert.
„You can really hear each person’s influences in almost every song in a very unique, non-biting way“ erklärt Uriel Avila und liegt damit ebenso wie Kompagnon Jonathan Perez („At first I thought this was gonna be really bad and rushed, and now I feel like it might be my favorite thing we’ve ever done“) nur teilweise richtig, weil Carnival sein tatsächlich neue Amplituden andeutendes Potential letztlich ohne finale Konsequenz zu harmlos und unausgegoren in risikofreie Raster assimiliert.
Trotzdem scheint die Zukunft der Band hiernach interessanter, als es bisher der Fall war.


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