Boris, Planning for Burial [08.10.2026: Arena, Wien]

von am 9. Oktober 2026 in Featured, Reviews

Boris, Planning for Burial [08.10.2026: Arena, Wien]

Außerhalb Japans feiert das (zu dieser Gelegenheit auch verdient als traumhafte Ultra Deluxe Version neu aufgelegte) Meisterwerk Pink 2026 seinen 20. Geburtstag. Seine Schöpfer Boris fragen deswegen ganz ohne Nostalgie: Do You Remember the Pink Days?

Klar: Theoretisch relativieren die Tatsache, dass zahlreiche Songs des ursprünglich bereits 2005 erschienenen Rock-Geniestreichs ohnedies seit jeher zum Fixum einer Boris-Show gehören, wie auch der Umstand, dass die Band die Setlist ihrer aktuell ausgerufenen Anniversary-Konzertreihe (leider) keineswegs zum Anlass nimmt, die Platte chronologisch oder gar komplett zu spielen, den Alleinstellungswert der laufenden Tour. Also ja – wir haben es nüchtern betrachtet und strickt den Pink Days folgend eigentlich mit einem relativen Standartprogramm zu tun, was die Zusammenstellung des aktuell dargebotenen Materials angeht.
Doch selbst wenn man seinen eigenen perfekten Abend mit Wata, Takeshi und Atsuo sogar bereits erlebt zu haben meint, ist der Jubiläums-Besuch der Japaner in der (erstaunlicherweise nicht ausverkauften, aber doch sehr gut gefüllten) Arena pures Fan-Endorphin. Ein weiteres besonderes Erlebnis gewissermaßen, das die jahrzehntelange Zuneigung für die Band auf ein Podest stellt. Absolut befriedigend und rundum begeisternd.

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Dabei hat der Abend durchaus ein paar kleine Schönheitsfehler.
Gleich eingangs etwa jenen, dass der eigentlich freudig erwartete Opener einen nicht kriegt: Vielleicht ist es nur eine Sache der Erwartungshaltung, wenn man schon darauf  eingestellt ist, sich von Pink schweißtreibend tight durch die Mangel nehmen zu lassen, aber die (auf Platte durchwegs gefallende) Stil-Melange von Planning for Burial lässt an diesem Oktobertag seltsam kalt. Thom Wasluck steht in der rechten Ecke der Bühne und geht an der Gitarre vollends in seinen Grenzgängen des Slowcore, Dreampop, Drone, Doom und Alternative  auf, wirbelt und wirft sich vor den LoFi-Drum-Loops und Synth-Samples stimmungsvoll in die Blackened-Ästhetik. Doch verliert sich die eindringliche Atmosphäre in der Halle, wirkt einfach ein wenig deplatziert und kann keine zwingende Intensität erzeugen.
Wobei diese Einschätzung arg subjektiv ist, und stark von der allgemeinen Wahrnehmung abweicht: Zwar bildet sich während des halbstündigen Sets des Amerikaners eine lange Schlange vor dem Boris-Merchstand, doch das primär aus It‘s Closeness, It‘s Easy bestehende Set kann das Gros des (dem Vernehmen nach teilweise auch extra für den Support Act angereisten) Publikums auch in diesem gefühlt etwas suboptimalen Rahmen mühelos überzeugen.

Außerhalb Japans feiert das (zu dieser Gelegenheit auch verdient als traumhafte Ultra Deluxe Version neu aufgelegte) Meisterwerk Pink 2026 seinen 20. Geburtstag. Seine Schöpfer Boris fragen deswegen ganz ohne Nostalgie: Do You Remember the Pink Days? Klar: Theoretisch relativieren die Tatsache, dass zahlreiche Songs des ursprünglich bereits 2005 erschienenen Rock-Geniestreichs ohnedies seit jeher zum Fixum einer Boris-Show gehören, wie auch der Umstand, dass die Band die Setlist ihrer aktuell ausgerufenen Anniversary-Konzertreihe (leider) keineswegs zum Anlass nimmt, die Platte chronologisch oder gar komplett zu spielen, den Alleinstellungswert der laufenden Tour. Also ja - wir haben es nüchtern betrachtet und strickt den Pink Days folgend eigentlich mit einem relativen Standartprogramm zu tun, was die Zusammenstellung des aktuell dargebotenen Materials angeht. Doch selbst wenn man seinen eigenen perfekten Abend mit Wata, Takeshi und Atsuo sogar bereits erlebt zu haben meint, ist der Jubiläums-Besuch der Japaner in der (erstaunlicherweise nicht ausverkauften, aber doch sehr gut gefüllten) Arena pures Fan-Endorphin. Ein weiteres besonderes Erlebnis gewissermaßen, das die jahrzehntelange Zuneigung für die Band auf ein Podest stellt. Absolut befriedigend und rundum begeisternd. Dabei hat der Abend durchaus ein paar kleine Schönheitsfehler. Gleich eingangs etwa jenen, dass der eigentlich freudig erwartete Opener einen nicht kriegt: Vielleicht ist es nur eine Sache der Erwartungshaltung, wenn man schon darauf  eingestellt ist, sich von Pink schweißtreibend tight durch die Mangel nehmen zu lassen, aber die (auf Platte durchwegs gefallende) Stil-Melange von Planning for Burial lässt an diesem Oktobertag seltsam kalt. Thom Wasluck steht in der rechten Ecke der Bühne und geht an der Gitarre vollends in seinen Grenzgängen des Slowcore, Dreampop, Drone, Doom und Alternative  auf, wirbelt und wirft sich vor den LoFi-Drum-Loops und Synth-Samples stimmungsvoll in die Blackened-Ästhetik. Doch verliert sich die eindringliche Atmosphäre in der Halle, wirkt einfach ein wenig deplatziert und kann keine zwingende Intensität erzeugen. Wobei diese Einschätzung arg subjektiv ist, und stark von der allgemeinen Wahrnehmung abweicht: Zwar bildet sich während des halbstündigen Sets des Amerikaners eine lange Schlange vor dem Boris-Merchstand, doch das primär aus It‘s Closeness, It‘s Easy bestehende Set kann das Gros des (dem Vernehmen nach teilweise auch extra für den Support Act angereisten) Publikums auch in diesem gefühlt etwas suboptimalen Rahmen mühelos überzeugen. Setlist: Farm Cat, Watching With Your Sunglasses On Like A Ghoul Warmth of You A Flowing Field Of Green Fresh Flowers For All Time Threadbare (continued) You Think Movement Two (blueberry pop)   Und ja, man könnte sich (zumindest direkt vor der Bühne platziert) auch am Sound reiben. Der ist nämlich zumindest die ersten sechs Songs über unausgegoren, hat die Gitarren viel zu laut im Mix und die (das gesamte Konzert über zu leise bleibenden) Vocals stiefmütterlich beiseite genommen. Livevideos des Abends beweisen jedoch, dass dies ein je nach Stehplatz selektives Problem des Abends darstellt. Zudem eines, das alleine deswegen kaum ins Gewicht fällt, weil es einfach nur unpackbar gut ist, wie Boris hinter dem lange ausgerollten, wundervoll erhaben dröhnenden Blackout rund um das nahtlos einverleibte Ibitsu eine Stafette aus Pink-Songs von der Leine lassen, die kaum fetziger packen könnte. Wahrhaftig: Wie extrem kurzweilig diese erste Phase des Sets um die Ohren fliegt, spottet jeder Beschreibung Kein Wunder also, dass da schnell Bewegung in die Menge kommt, während Atsuo mit geübten Posen den unermüdlichen Anheizer macht (und Takeshis einzige Animation - die ziemlich willkürliche Präsentation eines Boris-Shirts - herrlich irritierend in der Luft hängt) und man dem Trio glückselig aus der Hand frisst. Alles steht unter Strom, sitzt so straff und zwingend. Die in der Luft knisternde Energie ist greifbar und drückt ohne Ende, jede Sekunde dieses destillierten Schaulaufen ist essentiell und ein Muss, keine Denkmalpflege. Besser als dieser Rausch kann es eigentlich nicht werden. Tut es aber. Die kurze Pause rund um den Luft holenden Wechselbalg A Bao a Qu wird für Danksagungen genutzt (die einmal mehr mit ihrer unaufgeregten Virtuosität anbetungswürdige Wata hat extra für die kurze Ansage sogar ein Mikro-Pult auf der Bühne), damit The Evilone Which Sobs zu einem überragenden Monolithen wächst, der phasenweise wie der wunderschöne Pink Floyd-Traum vom Drone und Doom thront. Wahnsinn! Russische Fans feiern die Band, doch die hat einen Fokus scharf gestellt, der gerade nichts abseits ihrer Musik wahrnimmt. Wie dahinter ein zum Niederknien interpretiertes Akuma No Uta und ein sowieso praktisch neu erfundenes Just Abandoned Myself zur puren Extase mutieren, ist danach allerdings kaum weniger brillant. Spätestens hier spielt der in Wien in ihren Noir Morpheus-Outfits auf der Bühne stehende Tokyo-Dreier seine Klassiker mit einer revitalisierenden metallischen Härte, die man man so noch nicht von ihm gehört hat. Weswegen man auch nicht neidvoll nach Ljubljana blicken muss, was die Zugabe angeht: Der kompakte Nachsatz Korosu wird flächendeckend mit einem Sound gespielt, der an die malträtierenden Creep-Attacken von Johnny Greenwood denken lässt - und ist damit vielleicht die bisher beste Live-Version seiner selbst. Und trotz allem dürfen dann, während Farewell den Rahmen so atmosphärisch und sehnsüchtig schließt, zu dieser ein Highlight der Boris-Historie feiernden Gelegenheit auch ein paar sentimentale Gedanken aufkommen. Darüber, welch eine bestialische Über-Phase die zwischen 1995 und 2008 hatte und wie prägend für die eigene musikalische Sozialisierung speziell diese war - wieviel einem aber auch alle nachfolgenden bedeuten können. Wie frisch, spannend und aufregend die über zwei Dekaden auf dem Buckel habenden Nummern auch heute noch Klingen, welchen Hunger sie entfachen und was für eine Prägnanz. Was freilich auch Hand in Hand mit ein bisschen Wehmut darüber geht, dass wir uns aktuell - was reguläre Alben abseits etwaiger Kooperationen betrifft - tatsächlich in der längsten Platten-Pause befinden, die man in der nur wenige Schwächephasen zeigenden Karriere dieser Ausnahme-Band zu erdulden hatte. Was plötzlich umso schwerer wiegt, weil knapp eineinhalb Stunden Spielzeit so selbstverständlich demonstrieren, wie verdammt gut Boris immer noch sind. Setlist: Blackout Pink Woman on the Screen Nothing Special Ibitsu Electric A Bao a Qu The Evilone Which Sobs Akuma no Uta Just Abandoned Myself Farewell Encore: Korosu  

Setlist:
Farm Cat, Watching
With Your Sunglasses On Like A Ghoul
Warmth of You
A Flowing Field Of Green
Fresh Flowers For All Time
Threadbare
(continued)
You Think
Movement Two
(blueberry pop)

Und ja, man könnte sich (zumindest direkt vor der Bühne platziert) auch am Sound reiben.
Der ist nämlich zumindest die ersten sechs Songs über unausgegoren, hat die Gitarren viel zu laut im Mix und die (das gesamte Konzert über zu leise bleibenden) Vocals stiefmütterlich beiseite genommen. Livevideos des Abends beweisen jedoch, dass dies ein je nach Stehplatz selektives Problem des Abends darstellt.
Zudem eines, das alleine deswegen kaum ins Gewicht fällt, weil es einfach nur unpackbar gut ist, wie Boris hinter dem lange ausgerollten, wundervoll erhaben dröhnenden Blackout rund um das nahtlos einverleibte Ibitsu eine Stafette aus Pink-Songs von der Leine lassen, die kaum fetziger packen könnte. Wahrhaftig: Wie extrem kurzweilig diese erste Phase des Sets um die Ohren fliegt, spottet jeder Beschreibung.
Kein Wunder also, dass da schnell Bewegung in die Menge kommt, während Atsuo mit geübten Posen den unermüdlichen Anheizer macht (und Takeshis einzige Animation – die ziemlich willkürliche Präsentation eines Boris-Shirts – herrlich irritierend in der Luft hängt) und man dem Trio glückselig aus der Hand frisst. Alles steht unter Strom, sitzt so straff und zwingend. Die in der Luft knisternde Energie ist greifbar und drückt ohne Ende. Jede Sekunde dieses destillierten Schaulaufens ist in der superben Lichtshow-Synergie essentiell und ein Muss, keine Denkmalpflege.

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Besser als dieser Rausch kann es eigentlich nicht werden. Tut es aber.
Die kurze Pause rund um den Luft holenden Wechselbalg A Bao a Qu wird für Danksagungen genutzt (die einmal mehr mit ihrer unaufgeregten Virtuosität anbetungswürdige Wata hat extra für die kurze Ansage sogar ein Mikro-Pult auf der Bühne), damit The Evilone Which Sobs zu einem überragenden Monolithen wächst, der phasenweise wie der wunderschöne Pink Floyd-Traum vom Drone und Doom thront. Wahnsinn! Russische Fans feiern die Band, doch die hat einen Fokus scharf gestellt, der gerade nichts abseits ihrer Musik wahrnimmt.
Wie dahinter ein zum Niederknien interpretiertes Akuma No Uta und ein sowieso praktisch neu erfundenes Just Abandoned Myself zur puren Extase mutieren, ist danach allerdings kaum weniger brillant.

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Spätestens hier spielt der in Wien in ihren Noir Morpheus-Outfits auf der Bühne stehende Tokyo-Dreier seine Klassiker mit einer revitalisierenden metallischen Härte, die man man so noch nicht von ihm gehört hat. Weswegen man auch nicht neidvoll nach Ljubljana blicken muss, was die Zugabe angeht: Der kompakte Nachsatz Korosu wird flächendeckend mit einem Sound gespielt, der an die malträtierenden Creep-Attacken von Johnny Greenwood denken lässt – und ist damit vielleicht die bisher beste Live-Version seiner selbst.
Und trotz allem dürfen dann, während Farewell den Rahmen so atmosphärisch und sehnsüchtig schließt, zu dieser ein Highlight der Boris-Historie feiernden Gelegenheit auch ein paar sentimentale Gedanken aufkommen.

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Darüber, welch eine bestialische Über-Phase die zwischen 1995 und 2008 hatte und wie prägend für die eigene musikalische Sozialisierung speziell diese war – wieviel einem aber auch alle nachfolgenden bedeuten können. Wie frisch, spannend und aufregend die über zwei Dekaden auf dem Buckel habenden Nummern auch heute noch Klingen, welchen Hunger sie entfachen und was für eine Prägnanz.
Was freilich auch Hand in Hand mit ein bisschen Wehmut darüber geht, dass wir uns aktuell – was reguläre Alben abseits etwaiger Kooperationen betrifft – tatsächlich in der längsten Platten-Pause befinden, die man in der nur wenige Schwächephasen zeigenden Karriere dieser Ausnahme-Band zu erdulden hatte. Was plötzlich umso schwerer wiegt, weil knapp eineinhalb Stunden Spielzeit so selbstverständlich demonstrieren, wie verdammt gut Boris immer noch sind.

Setlist:
Blackout
Pink
Woman on the Screen
Nothing Special
Ibitsu
Electric
A Bao a Qu
The Evilone Which Sobs
Akuma no Uta
Just Abandoned Myself
Farewell
Encore:
Korosu

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