Boy Harsher – Get Mean

von am 7. Oktober 2026 in Album

Boy Harsher – Get Mean

Ohne gemein sein zu wollen: Boy Harsher klingen (sieben Jahre nach  Careful bzw. vier nach dem Soundtrack zu The Runner) auf ihrem Majorlabel-Debüt Get Mean wie eine domestizierte, bravere, blassere und auch langweiligere Version ihrer selbst.

Im Windschatten der aufmerksamkeitsgenerierenden Deafheaven-Kooperation gehen Jae Matthews und Augustus Muller zumindest keine Risiken ein, wollen niemanden wehtun und gleichzeitig eine potentiell größere Hörerschaft an Bord holen, weswegen sie ihren ästhetisch immer noch unmittelbar abholenden 80er affinen Synthpop auf einer oberflächlicheren Ebene anlegen.
Songs wie der an Merchandise erinnernde Opener Ronny (oder später auch beispielsweise das joggende Doppel aus Tough Luck (When You Don’t Call) und Faulty) sind insofern auch unaufgeregte Eingängigkeiten, die elegant und gefällig über die nostalgische Sehnsucht funktionieren und gut ins Ohr gehen.

Matthews singt gewohnt kühl, entrückt und sphärisch, unnahbar und verführerisch, wenngleich auch wieder sehr gleichförmig mit wenig Variation.
Den Spannungsbogen, die Wendigkeit in der Intensität und die stilistischen Facetten müssen insofern die Songs an sich besorgen. Was trotz eines latent enttäuschenden Beigeschmacks gelingt.
Jeans und Ice Pick (Walk Away) adaptieren flotter den minimalistischen Pop aus der The Cure-Perspektive an. Break Me pumpt straffer und gönnt dem Darkwave dängelnde Gitarren samt Post Punk-Flair, derweil Hard Beat – Nomen est Omen! – die Disko ins Visier nimmt. Coming Home tanzt dagegen entspannt extrem stimmungsvoll und deutet erhebend das Epische im Augenblick zumindest an.

Dennoch gelingt es hinter dem ambienten Spoken Word-Interlude Ivy’s Spiral ausgerechnet der fabelhaft relaxten Sommer-Lounge Pray 4 Me, eine Lockerheit zu generieren, die Get Mean bis dahin abgeht. Wodurch ein Falling ~, obwohl an sich ein redundanter Standard, die nötige Frische bekommt, um abzuholen.
Dass Boy Harsher für ihr Quasi-Comeback statt der die eigenen Leistungsgrenzen nicht antastenden Achse aus Zuverlässigkeit und Zugänglichkeit aber gerne auch weiter ausdehnen hätten dürfen, demonstriert dann ausgerechnet der halluzinogene Closer Bleed mit rasselnder rap-Hi-Hat in der elegischen Trance des Witch House.

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