Brigitte Calls Me Baby – Irreversible

von am 23. März 2026 in Album

Brigitte Calls Me Baby – Irreversible

Brigitte Calls Me Baby ließen ja schon im Vorfeld von Irreversible keinerlei Besorgnis darüber aufkommen, dass ihr süchtig machendes Debüt eine Eintagsfliege gewesen sein könnte. Und doch haben sie vor allem nicht noch einmal dasselbe Album noch einmal aufgenommen.

Hinter dem tollen George Michael-Cover Careless Whisper hat ja gerade das unpackbar schmissig auf das Gaspedal drückende Slumber Party die ausdauernde Hit-Kompetenz der Amerikaner unterstrichen. Und auch den nachfolgenden beiden Auskopplungen – dem rundum famos luftig entwaffnenden Jangle-Pop-Ohrwurm I Danced With Another Love in My Dream sowie dem an sich ebenso unbeschwerten, gemütlicher zum Standard tendierenden I Can Take the Sun Out of the Sky (das in der zweiten Albumhälfte positioniert nicht ganz optimal platziert wirkt) – kann man höchstens vorwerfen, dass die flott Schmissigkeit des ebenso sportlichen wie pompösen Dramas Truth Is Stranger Than Fiction eine noch zwingendere Killer-Single abgegeben hätte.

Es muss sich also niemand um die Kernkompetenzen von Brigitte Calls Me Baby sorgen: wie die Band ihre grundsoliden Songs von Frontmann Wes Leavins exaltiert auf ein Podest der Hymnen hebt, kann aktuell kaum jemand infektiöser im eklektisch an die 00er gemahnenden Indierock-Business.
Allerdings haben sich die Anhaltspunkte seit The Future Is Our Way Out (2024) dann eben doch dezent verschoben. Die offenkundigen Roy Orbison-Anleihen sind etwas reduziert worden (wobei dieses Feld aktuell ja ohnedies anderswo gut bedient wird), während die Wave-Anleihen (gerade in der zweiten Hälfte) mit prominenter fungierendem Keyboard ein Songwriting prägen, das nun stärker an der Atmosphäre interessiert ist, und in einem generell runderen Fluss in weiterhin unbedingter Mozzer-Liebe die Bereitschaft zeigt, die Stadien der Welt im Fahrwasser der Kings of Leon und U2 bespielen zu können.

There’s Always wacht mit strahlender The Smiths-in-Hollywood-Stimmung samt weltumarmender Alles-oder-Nichts-Attitüde auf, setzt mit viel Schmelz und Pathos den inhaltlichen Level auf Augenhöhe mit den romantischen Leiden des jungen Morrissey. Herrlich! Das zurückgenommene The Pit legt sich elegant in die 80er, bietet seinem Piano im Refrain aber eine weit ausholende Geste an, die subtil zwischen Martin L. Gore und Daran Duran schmachtet. These Acts Of Which Were Designed pflegt eine Leave This Island-Ästhetik und ist trotz zappelnder Drums beruhigt,  verträumt und ätherisch, bevor die Nummer über das Interlude Sillage zu I Can’t Have You All To Myself mutiert, das in Zeitlupe getragen elegisch von Beach House zu Glasvegas schwelgt, behaglich und behutsam im Twin Peaks-Weichzeichner gackernd.
Dass der Platte am Ende (mit dem schön verhaltenen The Early Days Of Love sowie dem geduldigen, irgendwie seltsam unspektakulär bleibenden Send Those Memories) ein wenig das Momentum ausgeht, ist zwar schade, aber nicht weiter tragisch: Ihren unerwartet langen Atem beweisen Brigitte Calls Me Baby gerade auch durch diesen unstürmischen Abgang.

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