Tyler Ballgame – For The First Time, Again

von am 4. Februar 2026 in Album

Tyler Ballgame – For The First Time, Again

Das Artwork mag eine relativ schamlose Adaption von Violet Bent Backwards over the Grass sein, doch holt sich Tyler Ballgame die Inspiration für sein Debütalbum For The First Time, Again in erster Linie von wo anders her.

Dr ehemalige Ralph Waldo-Frontmann Tyler Perry ist von Rhode Osland nach Los Angeles gezogen, hat mutmaßlich anstelle von Midlake, Fleet Foxes oder Bon Iver zu hören über Ty Segall, Foxygen, die Lemon Twigs oder Tobias Jesso Jr. die 60er und 70er für sich entdeckt, und sich und sich in weiterer Folge das Alias Ballgame zugelegt, um vom Roy Orbison-Imitator in Szene-Clubs 2026 zum aus der Zeit gefallenen Pop Star werden zu können.
Denn For The First Time, Again macht keinen Hehl aus seiner größten Inspiration – The Big O eben – oder seiner direkt auf die nostalgische Ebene abzielende Funktionsweise – weil die Solo-Diskografien der Beatles gerne Pate stehen -, hat dabei aber so smoothe Songs – praktisch allesamt kleine Hits oder große Ohrwürmer – in petto, die stets stark genug sind, um ein breites Publikum begeistert nach vorne blicken zu lassen.

Der Titelsong schippert gemütlich in die Schniesigkeit, als würde eine Symbiose aus I Shall Be Released und No Woman No Cry (von Clapton) im hohen Orbison-Schmelz den Mond ancroonen, derweil sich das schuneknde I Believe in Love eher vor Harry Nilsson verneigt, verträumt und zeitlos durch die Vergangenheit streifend. Für You’re Not My Baby Tonight setzt sich ein charmanter Tyler ans Klavier und denkt vage an balladesk schwofende Elvis-Rührstücke, inklusive Mary Gray-Verneigung und schummriger Romantik.
Aber Ballgame kann neben archetypischer Sehnsucht auch beschwingter rocken (Matter of Taste), nonchalant mit Bläsern shaken (Got a New Car) oder behände poltern, wie in dem selbstaufopfernd sanften Sing How I Feel oder dem weich angejazzt tänzelnden Ooh, dessen unentschlossen bleibender Ausbruch Lennon Blumen streut und Father John Misty noch prätentiöser wirken lässt.

Hinter dem knackiger angelegten Retro-Wirbelwind Down So Bad (das die Balance aus manisch gespielter Rolle und authentischer Emotion symptomatisch für die gesamte Platte nicht immer ganz treffsicher hinbekommt, aber wie ein Geistesverwandter von Brigitte Calls Me Baby anmutet) geht (dem auf Help Me Out leider verichtenden) For The First Time, Again mit dem ruhigen, sentimentalen I Know sowie dem angenehm zu hörenden, leicht psychedelisch angehauchten Deepest Blue zwar ein klein wenig die Luft aus – während Ballgame generell dazu neigt, die Dinge ohne Risiko oder allzu gravierende Ecken und Kanten eher gefällig anzulegen.
Was die Heavy Rotation der homogenen, fein dynamisch ausgewogenen Platte am Stück allerdings kaum schmälert, bevor Waiting So Long etwas zögerlich eine Soul-Inbrunst entdeckt, die neue Reize für die Zukunft hinter diesen 42 Minuten an bestem Pop-Konsens andeutet.

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