Brine – Softling
Brine und ihr fabelhaftes Debütalbum Softling. Oder: Eine aus Mitgliedern von Carnivores at Grace, Meth. und Unico bestehende Szene-Allstar-Band tut nahezu alles, um ein Geheimtipp zu bleiben.
Auch wenn sich praktisch nichts im Netz über das aus Brandon Jessee (bass and vocals), Michael McDonald (guitars and vocals), Brad Stewart (drums and percussion) bestehende Chicagoer Trio finden lässt, waren die immer noch vermissten Carnivores at Grace zumindest aufmerksamkeitsgenerierend genug, um auf ihr Quasi-Nachfolgeprojekt Brine hinzudeuten. Und dabei ausgewiesenen bisherigen Kerben der beteiligten Musiker geben dann außerdem auch einen veritablen Indikator ab, wo Softling sich in seiner rund sechsjährigen Entstehungszeit verdichtet hat.
Derweil der Mathcore das stoische Haken schlagende Grundgerüst des Sounds bildet, haben Brine ihre Wurzeln aber mit der brachialen Monstrosität des Sludge hochgezüchtet, reißen dem Noiserock das Herz durch die Katharsis des Screamo aus dem Leib, spannen im dreckigen, gemeinen Sound animalisch brüllend die Muskeln an.
Stateless klingt mit seiner kernigen Riff-Repetition insofern ein bisschen so, als hätten Botch eine Affäre mit Unsane im Post Metal gehabt, um auch einmal durchzuatmen und straight zu rocken. Bail marschiert malmend über den Strand und schleift die Melodik unerbittlich zermürbend. In Locusts bündeln Brine das Chaos einer unberechenbaren Wildheit zu einer ohne typischen Kompaktheit. Die gewisse Gleichförmigkeit, die im Umkehrschluss mit der absoluten Homogenität von Softling einhergeht, hält das Trio durch die ständig umschwenkende Dynamik spannend: Stammer geht in sich und zieht dann punkig davon, während A Capacity von der Dillinger-Tarantel gestochen eine Stoner-Breitbeinigkeit entwickelt und A Few Small Nips den auslaugend zäher Brocken macht, der über 8 Minuten doch auch noch die Imagination ausschweifen lässt.
Der Organismus Softling funktioniert (trotz seiner dem klammheimlichen Release so lange vorlaufenden Inkubationszeit) also genauso instinktiv wie intensiv, zeigt Fokus und Volumen. Während sicher noch Luft bleibt, um die Identität des Eklektizismus sowie die Amplituden des Songwriting noch weiter auszureizen, haben Brine einfach unmittelbar eine immense, archaische Präsenz, die aus dem Stand heraus in ihren Bann zieht.
Dass die Band selbst all diese Tugenden ebenso wenig an die große Glocke hängt wie den grundlegende Umstand ihrer bloßen Existenz, ist eigentlich nur schlüssig.


Kommentieren