Converge – Love Is Not Enough

von am 18. Februar 2026 in Album

Converge – Love Is Not Enough

Converge geben sich keiner beatlesker Sentimentalität hin und rufen ohne Umschweife zum Punkt kommend das Mantra für die dunklen Zeiten aus, in denen wir leben: Love is Not Enough.

Das erste (tatsächlich in mehrerlei Hinsicht pure) Converge-Album seit The Dusk in Us ist praktisch exakt das Werk geworden, das die beiden (auch via Audiotree vorausgeschickten und symptomatisch die Klammer der Platte besorgenden) Singles in Form des wüst nach vorne gehenden Titelsongs sowie des (im Kontext nun beinahe ein bisschen den Epilog hinter dem eigentlichen Finale gegeben,) geduldig heraufbeschworen polternden We Were Never the Same versprochen haben: Love is Not Enough ist extrem kompakt, direkt und kocht entgegen der Closer-Deklaration die Essenz der Band gefühlt schnörkelloser und essentieller ein, als vielleicht jedes anderes Album seit You Fail Me.

Etwaige experimentelle Ansätze, die vor allem Bloodmoon (2021) und den regulären Diskografie-Vorgänger von 2017 auszeichneten, sind so einer fast pragmatischen Klarheit gewichen, die nur wenige Male überhaupt vom Gaspedal zurückgeht.
Das instrumentale Beyond Repair bremst als Interlude die atemlose Dynamik der sich im Rausch befindlichen Platte zur Mitte etwas zu unvermittelt ab, kriecht düster schwelgend zum Ambient, und setzt sich erst gegen Ende ritualistisch in bedächtig marschierende Bewegung, dieser gut in das sludgigere Amon Amok übergeht.
Gilded Cage nimmt später ebenfalls wieder das Tempo raus und groovt sich atmosphärisch mit malmendem Bass ein. Bannon ruft zumindest über weite Strecken abgekämpft, anstatt wie ein tollwütiger Panther zu fauchen, und die postmetalliscje Nostalgie lässt melodische Akzente zu, bevor Make Me Forget You als punkiger Galopp gen Axe to Fall (vielleicht eine Spur zu ausführlich und konventionell angelegt, um über die volle Distanz spannend und beißend zu sein) sich einen langen, stimmungsvoller ausklingenden Nachhall gönnt.

Schlicht ist hier zwar an sich nichts gestrickt – dafür gibt es im tollen, organischen Sound zu viel akzentuiertes Muskelspiel zu entdecken, während einem alleine beim Versuch die Rhythmen zu zählen schwindelig werden muss. Aber die Band setzt den Hebel bei ihrem Comeback doch mit einem gewissen Tunnelblick an und lässt die Songs damit nicht nur aggressiv auf den Punkt finden, sondern über simpler gestrickte Funktionen auch schneller zugänglich.
Egal ob sich Bad Faith um ein heavy Riff dreht oder Distract and Divide manisch tackernd als Ohrwurm um mehr Tragweite in der Mitte hetzt. To Feel Something zieht seinem grindigen Ballern die Haut für einen Veitstanz mit flehend skandierender Ziselierung ab und findend einen thrashigen Slo-Mo-Abgang, das vom manischen Force Meets Presence dort getoppt wird, wo Slayer auf Judas Priest im Metalcore-Hoheitsgebiet von Converge auf eine intensive Achterbahnfahrt geschickt werden.

Mit diesem Schwung macht Love Is Not Enough in seiner Rolle als Instant-Fanpleaser dann praktisch auch alles richtig, ist ein Mentalitätsmonster mit bestechender Attitüde – dessen prägnante Stärke jedoch im Umkehrschluss auch die Achillesferse der Platte markiert.
Wer von einem Converge-Album nämlich herausgefordert werden will, wird durch die knappe halbe Stunde wahrscheinlich eine milde Enttäuschung erleben. Mann muss sich die ihre Formel hungrig ausspeienden Songs nicht erarbeiten, weil sie allesamt rasant abholen, wodurch sich der reibungslose Reiz nach einer anfänglichen Suchtphase jedoch auch schneller erschöpft. Zudem gibt es im ausfallfreien Ganzen entlang seiner wechselnden Highlights keine wirklichen Übersongs, kein auslaugend plättenden epischen Ausbrüche – sondern eine beinahe unspektakulär hohe Klasse, die jedoch nicht über die Summe seiner Teile hinauswachsend nachwirkt: Es fehlt zumindest ein ergänzender monumentaler Moment, der dem Gewicht der Rückkehr ein Gipfelkreuz gesetzt hätte.
Wodurch das zehnte Converge-Album  subjektiv sofort besser gefällt als The Dusk in Us, jedoch gleichzeitig auch die Vermutung nährt, dass Love Is Not Enough langfristig (im Kontext einer beispiellosen Diskografie betrachtet) trotz seiner furiosen Form langfristig per se einfach nicht genug sein könnte.

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