Me First and the Gimme Gimmes – Are We Not Men? We Are Diva!

von am 19. Mai 2014 in Album, Reviews

Me First and the Gimme Gimmes – Are We Not Men? We Are Diva!

Man nehme NOFX, Lagwagon, No Use for a Name und Swingin’ Utters – vier der wohl bekanntesten und erfolgreichsten Bands, die die Punkszene in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Man stelle sich vor, einzelne Mitglieder dieser Szenegrößen, genauer gesagt Joey Cape, Fat Mike, Spike Slawson, Chris Shiflett und Dave Raun, formieren sich Mitte der 90er zu einer Coverband, die Pop-Klassiker in feinster Punkrock-Manier neu interpretiert.

An dieser Stelle denkt sich vielleicht so mancher: „Ist den mittlerweile etwas gealterten Punkern langweilig?“ Oder: „Wieso Pop-Songs covern? Coverbands dieser Art gibt es doch wie Sand am Meer.“ Letzteres ist natürlich eine unleugbare Tatsache, aber keiner versteht das Cover-Handwerk so gut wie die Supergroup Me First and the Gimmie Gimmies. Nach fast 20 Jahren, fünf Alben und unzähligen Konzerten in skurrilen Bühnenoutfits meldeten sie sich am 13. Mai mit ‚Are We Not Men? We Are Diva!‚ zurück.

Wie alle anderen davor ist auch ihr sechstes Album ein Konzeptalbum mit einem ganz bestimmten Thema. Diesmal widmen sich die Meister des Genres den Diven der Musikgeschichte und verwandeln 12 der größten Hits des Pops in Punkrock. Das Label Fat Wreck Records kündigte an: „Once you hear these fat ladies sing, there’s not gonna be a dry eye in the house.“ Und die Punk-Diven halten, was sie versprechen.
Mit ‚I Will Survive‚ von Gloria Gaynor setzen Me First bereits zu Beginn auf einen Evergreen, den bestimmt jeder, zumindest phasenweise, mitträllern kann. Auch die Punkversion mit schnellen Gitarren und harten Drums macht Lust, lauthals mit zu grölen. Die taktisch gut gewählte erste Single-Auskoppelung ‚Straight Up‚ von Paula Abdul überzeugt vor allem durch ihr Tempo und Slawsons Stimme. Der Background-Gesang beim Refrain erinnert mit einem mehrstimmigen „Wohoho“ sogar ein bisschen an klassische Punkrock-Hymnen.

Leider klingen die Punkversionen von ‚Beautiful‚ (Christina Aguilera), ‚Top Of The World‚ (The Carpenters) und ‚Speechless‚ (Lady Gaga) sehr ähnlich – einfach kürzer, härter und schneller als die Originale. Mit ihrer Interpretation des Titanic-Filmsongs ‚My Heart Will Go On‚ von Celine Dion beweisen The Gimmies aber, dass sie dann doch noch mehr können als Pop-Songs fetzig wiederzugeben. Der Song hebt sich deutlich von den anderen ab, da sie hier zur Abwechslung auf Acoustic Gitarren, Akkordeon und Hintergrundklatschen setzen. Dieses besonders gelungene Cover erinnert damit sehr stark an Irish Folk. Auch Madonnas ‚Crazy For You‚ verpassen die Punkrocker ihren ganz eigenen Anstrich: sie verwandeln den 80er Jahre Hit mit Ukulele und Saxophon in einem ruhigen, entspannten Song, zu dem man sich gerne an einem lauschigen Sommerabend ein kühles Bier gönnen würde. Im starken Kontrast dazu steht ‚Believe‚ von Cher, bei dem Me First mit verschiedenen Soundeffekten experimentieren und Slawsons Stimme, in Anlehnung an das Original, hörbar verändern.

Wie bei allen bisherigen Alben von Me First and the Gimme Gimmes darf man sich auch von ‚Are We Not Men? We Are Diva!‘ nicht erwarten, dass es einen gleich beim ersten Hören vom Hocker reißt und die Originale als völlige Neuerfindungen daherkommen. Das haben die Punk-Veteranen auch nie für sich beansprucht. Mit diesem Album beweisen sie einmal mehr, dass man als überzeugter Punkrocker genauso gut Pop-Songs trällern kann, ohne sich gleich sein Image zu ruinieren und sie sich dabei auch selbst nicht so ernst nehmen. Vor allen Dingen hört man aber, dass sie Spaß haben, bei dem was sie tun. Eine gelungene, solide Punk-Platte voller Nostalgie, Selbstironie, und Unterhaltung, die es nun auch harten Punkrockern erlaubt, Pop-Songs lauthals mit zu grölen.

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