Hayden Pedigo – I’ll Be Waving as You Drive Away

von am 14. November 2025 in Album

Hayden Pedigo –  I’ll Be Waving as You Drive Away

Mit I’ll Be Waving as You Drive Away, seinem fünften Soloalbum, schließt Unsere Kleine Farm-Fan Hayden Pedigo seine durch Letting Go begonnene und auf The Happiest Times I Ever Ignored fortgesetzte The Motor Trilogy.

Der 31 jährige Gitarrist generiert aktuell für seinen ambienten American Primitivism durch die Kooperationen mit Shallowater und vor allem Chat Pile gefühlt so viel Aufmerksamkeit auf breiter Ebene, wie seit Kid Candidate-Tagen nicht.
Vielleicht ist I’ll Be Waving as You Drive Away als letzter Teil eines übergeordneten Konzeptwerks ja auch deswegen von einer latenten Aufbruchstimmung bestimmt, die das Spiel von Pedigo durchzieht und der (trotz einiger Gäste um Produzent Scott Hirsch) wieder mit zurückhaltenden Mitteln imaginativ bildgewaltig ausgebreiteten Klanglandschaft einen geradezu erlösenden Charakter verleiht.

Long Pond Lily erwacht munter und lebendig wie klarer Morgentau in einer friedvollen Americana-Prärie, kokettiert mit psychedelischen Schimmern im Country und einem anachronistischen Folk, wie ihn auch Ryley Walker oder Gustavo Santaolalla lieben werden. Kontemplativ schwelgt Pedigo geschäftig und mit einem körperlosen Enthusiasmus, weiß um die unscheinbare Schönheit der so sparsam akzentuierten Arrangements. Im unweit nahe der Ideallinie perlenden All the Way Across kommen diese durch die Pianobegleitung sogar noch famoser zum Ausdruck, derweil die Nummer zur Mitte absolut betörend in sanfter Streicher-Umarmung den Walzer schwoft.

Smoked bekommt vage einen sakralen Hintergrund angedeutet und gibt sich davor dramatischer, verzweifelnder suchend, gedankenschwer den am wenigsten luftig angelegten Pfad des Albums durchwandernd.
Schon Houndstooth findet jedoch wieder überlegt und mit bisweilen demonstrativer angelegten Score-Streichern im Spur des Albums zurück, Hermes kann bereits einer ruhigen Unbedarftheit frönen. Und der Titelsong schüttelt als Abschied jedwede Anflüge von Sentimentalitäten ab, marschiert mit Nonchalance und Leichtigkeit unbeschwert weiter, über den Horizont (zu den nicht auf Streaming-Portalen zu findenden End Credits) hinaus.

Was dort auf Pedigo und seine zeitloses, universelles Spiel warten wird, lässt sich angesichts der unorthodox flankierenden Spielplätze abseits des Haupt-Kanons schwer sagen, wiewohl  auf Solo-Wegen nicht unbedingt mit radikalen Stilbrüchen zu rechnen ist.
Als Momentaufnahme ist das wenig erschütternde, heimelige Behagen von I’ll Be Waving as You Drive Away allerdings genau das richtig dosierte Maß an Vertrautheit.
Kompakt wie eine EP angelegt, fühlt sich die Platte zudem reichhaltig wie ein Album an: Es passiert viel, die Kompositionen sind wendungsreich und die Inszenierung sorgsam. Angenehm zu hören funktioniert der Reigen als stimmungsvolle Begleitung im Hintergrund ebenso gut, wie er ob seiner Tiefgründigkeit interessant ist – relaxt und unaufgeregt, reif und klug, homogen und rund. Von einem Meister seines Fachs aufgenommen, der mit sich selbst im Reinen und ganz bei sich angekommen ist.

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