King Gizzard & the Lizard Wizard, Maddie Ashman [12.11.2025: Gasometer, Wien]
„Dancin‘ is good for ya!“: King Gizzard & the Lizard Wizard toben sich aktuell neben ihren opulenten Phantom Island-Orchester-Shows mit schweißtreibenden Rave-Sets aus.
Bevor es darum gehen soll, warum dieses The Silver Cord konsequent weiterdenkende Konzept ungeachtet aller subjektiven Voreingenommenheit durchaus sehr gut für die Australier und ihr gefühlt immer mehr Selbstdarsteller anziehendes Publikum funktioniert, aber, ohne dabei die selbe Euphorie einer „normalen“, unberechenbaren King Gizzard-Rock-Show zu erzeugen, noch mit einigen kleinen Schwachstellen behaftet ist, sei eingangs den Security Guards vor der Bühne ein besonderes Lob ausgesprochen.
Die Burschen kommen nicht nur mit bisweilen endlos scheinenden Wellen an Crowdsurfern zurecht (Ohne Übertreibung: der Abend stellt diesbezüglich einen relativ unumstrittenen Rekord im eigenen Konzerttagebuch dar. Phasenweise scheint der Strom an Personen, die über den Köpfen der Menge auf die Bühne zugetragen wild zappelnd aus der Menge gezogen werden müssen, kaum mehr abzureißen. Und die Ordner bändigen diese Aufgabe professionell ohne Rücksicht auf eigene Habseligkeiten wie Brillen oder sonstiges Equipment), sie versorgen die ersten Reihen auch noch unablässig mit Nachschub an Wasser und bleiben dabei stets freundlich.
Kurzum: Kurzum: Die Truppe erledigt ihren Job wirklich vorbildlich, Respekt!
![King Gizzard & the Lizard Wizard, Maddie Ashman [12.11.2025: Gasometer, Wien]](https://i0.wp.com/www.heavypop.at/wp-content/uploads/2025/11/IMG_9644-scaled-e1763126023637.jpeg?resize=600%2C450&ssl=1)
Kein Job – ja, noch ein Einschub, bevor es um den Auftritt des Hauptacts an sich gehen wird – ist es dagegen schätzungsweise für Maddie Ashman, den Support auf der laufenden Gizz-Tour zu übernehmen. Dafür hat die Londonerin einfach merklich zu viel Spaß daran, im schillernden Outfit auf der Bühne zu stehen und großteils bisher unveröffentlichte Songs ihres mikrotonalen Repertoires zum Besten zu geben.
Zwischen den Songs will sie freudestrahlend kaum zu sprechen aufhören (Marke: „Mögt ihr Bandcamp? Ich liebe Bandcamp“ oder „Mögt ihr mikrotonale Musik? Ich liebe mikrotonale Musik!“ – aber die Grenze zwischen Enthusiasmus und nervender Penetranz immer sicher wahrend) und erläutert dabei auch mal erschöpfend die theoretischen Grundlagen des choralen In Autumn My Heart Breaks. „Ich rede zu viel„, sagt sie dann lachend. Tja. Es gibt schlimmeres!

Ashman bisweilen theatralisch verkopfte Melange aus Synth, Elektronik, Cello und sinfonischem Bombast (der im besten Fall bis in den Classic Rock ausbricht) ist darüber hinausgehend eher eine eine faszinierende Wahl für das Vorprogramm, denn eine naheliegende – aber genau deswegen absolut passend. Eine Lizard Wizard-Show soll ja immer auch ein Abenteuer ohne Berührungsängste mit Neuem sein.
Dass nicht jeder im Publikum mit dieser kunstvoll zugänglichen, auf emotionaler Ebene jenseits der Ästhetik jedoch zugegeben nur stellenweise (wie in I Hate Goodbyes) greifenden Technicolor-Bastelei in ghibliesker Lebendigkeit etwas anfangen kann, ist trotz der spielfreudigen Aufgeschlossenheit als Anknüpfungspunkt zum Gizzverse nachvollziehbar. Unverständlich ist aber, dass viele Besucher während des Sets derart lautstark tratschen müssen. Zumal Ashman auch noch spontan She Said als Überraschung in die mit über 40 Minuten Spielzeit doch zu lange Setlist packt, um für der Tour hinterherreisende Gizz-Fans noch ein besonderes Zuckerl in die Wundertüte zu packen.

Nun aber endlich tatsächlich zu King Gizzard & The Lizard Wizard – die mit knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit übrigens auch nicht zum Punkt finden werden.
Denn die stets sehr ausführlich gedehnten, natürlich zahlreiche selbstrefrernzielle Querverweise assimilierenden Stücke, und vor allem die nicht so nahtlos und rund wie gewohnt glückenden Übergänge zwischen ihnen, lassen an diesem Abend überraschend viel Leerlauf in Form ziellosen Mäanderns zu, wie man das selbst von den Jam-lastigsten Gizzard-Sets sonst nicht kennt.
Gerade in der Eingangsphase (mit einem rund 20 minütigen Kepler‐22b, das in ein entspannt stampfendes, jedoch durch das neue elektronische Arrangements seltsam dröges Magenta Mountain übergeht) braucht es etwas, bis die PS des Settings auf den Boden gebracht werden. Dass Ambrose Thomas Kenny-Smith gerade während The Silver Cord nicht ganz zu wissen scheint, womit er sich beschäftigen soll – etwa sporadisch auf der Percussion mitklopft und dann doch lieber den Inhalt von Wasserflaschen auf der Bühne untersucht – ist durchaus ein passendes Sinnbild.
![King Gizzard & the Lizard Wizard, Maddie Ashman [12.11.2025: Gasometer, Wien]](https://i0.wp.com/www.heavypop.at/wp-content/uploads/2025/11/IMG_9740-scaled-e1763126325390.jpeg?resize=600%2C450&ssl=1)
Wenn die Australier dann in der bis Frankenstein alias Gilgamesh (gerade mit Blick nach Prag oder Kopenhagen) eher durchwachsenen Setlist die Zügel enger ziehen und Passagen (zugegeben mit den immer gleichen Spannungshebeln und Drops) zuspitzen, zündet der Ansatz ziemlich grandios, extatisch gar.
Dann dreht die Band in Sachen Techno, Drum’n’bass und House an Synth-Table Nathan energisch die Knöpfchen, packt Flöte und Saxofon und Gitarre aus und wird von Michael Cavanagh vollkommen ausgelassen in den flotten Rave getrieben. Die grundlegend begeistere Stimmung im mitunter bunt kostümierten, sehr gut gefüllten Gasometer kocht so in Tranchen immer wieder über, alles springt in ausgelassener Lebensfreude.
![King Gizzard & the Lizard Wizard, Maddie Ashman [12.11.2025: Gasometer, Wien]](https://i0.wp.com/www.heavypop.at/wp-content/uploads/2025/11/IMG_9841-scaled-e1763126746320.jpeg?resize=600%2C450&ssl=1)
Es ist eben als Ansage zu verstehen, dass Stu (immer noch mit irritierender Kurzhaarfrisur) an diesem kühlen Novemberabend in sportlichen kurzen Hosen, Unterhemd sowie Crocks (und gut, auch Wollsocken und später Plüschmütze samt überdimensionaler Brille) aufgetaucht ist. Fehlen nur noch die Knicklichter. Dafür gibts aber eine gewohnt superbe Licht- und Bühnenshow der nach wie vor aktuell ziemlich sicher besten Liveband der Welt.
An diesem Status kratzt auch das nach 2023 und 2024 dezent abgeschlagen nur dritt-tollste Wien-Konzert der Truppe aus Down Under nicht.
![King Gizzard & the Lizard Wizard, Maddie Ashman [12.11.2025: Gasometer, Wien]](https://i0.wp.com/www.heavypop.at/wp-content/uploads/2025/11/IMG_9804-scaled-e1763126491728.jpeg?resize=600%2C450&ssl=1)
Setlist:
Kepler‐22b
Magenta Mountain
Perihelion
Muddy Water
The Bitter Boogie
2.02 Killer Year
Hot Water
The Silver Cord
Gilgamesh


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