Kovtun – Black Goat
Kovtun aus São Paulo haben seit 2013 im Jahrestakt (teilweise sogar mehrere) (sehr) gute Platten veröffentlicht – Black Goat ist in dieser Konsistenz an einer neuen Front dennoch ein Karriere-Highlight in der ausufernden Diskografie.
Wohin „noisemaker and occasional musician“ Raphael Mandra sein über den Ambient immer wieder neue Stile assimilierendes Projekt mit Abel M. Neto, Lucas Marques und Jorge Mourthé nach der progressiven Elektronik am Ende des vergangenen Jahres lenken würde, kündigt das Artwork ja indirekt an. Und nachdem sich für Wounds & Revelations im Hintergrund einer abseitigen Parade ein eigener dunkler, doomiger Post Metal-Marsch in avantgardistische Bewegung gesetzt hat, der fast neun Minuten später im Rausch von Fanfaren ersäuft, driftet Return from Within in den atmosphärischen Lofi-Black Metal aus dem Free Jazz-Keller ab, bevor Lost Epiphanies seine Inspiration direkt aus dem Schaffen von Jason Köhnen mit dem Kilimanjaro Darkjazz Ensemble zieht, seine eigene Interpretation der Noir-Dinge aber dabei aus dem pluckernden und fiependen Weltraum unter Wasser weiterdenkt.
Damit ist das Spektrum von Black Goat vermessen, in dem sich Kovtun in weiterer Folge zugegeben ein wenig zu ergiebig bewegen – weil die 61 Minuten Spielzeit nicht immer auf den Punkt finden und einzelne Passagen wie The Shadow im großen Ganzen ein bisschen redundant wirken können.
Doch wo das Songwriting streng genommen an sich auch latent generisch angelegt ist, funktioniert Black Goat mit seiner dichten, fesselnden Stimmung und anziehenden Dynamik zu jedem Zeitpunkt, indem das Album mehr als die Summe seiner Teile darstellt. Und wie die Initialzündung wirkt, nach der der Band mit diabolischer Schwärze zukünftig Meisterstücke gelingen könnten.
Zäher Midtempo-Grooves verschmilzt bis dahin absolut homogen mit tackernden Blastbeats, sägenden Gitarren und deliranten Bläsern. Ein bräsig von Schönheit träumendes Klangkonstrukt entsteht, das sich von der Ruhe in die Heaviness schleifen kann (When the Black Goat Sleeps) oder, wie in Arrow to Our Heads, auch traurig und still in betörender Schieflage über aus der Zeit gefallene Folklore nachdenken will. Die Brasilianer beladen erhabenen Postrock mit dunklem Gepäck (The Light That Never Comes) und führen disharmonische Schraffuren (Stargaze) ganz natürlich zu sinfonischer Friedlichkeit (Pale Blue Dot).
Explizite Szenen bleiben dabei weniger hängen, als das allgemeine Gefühl, in einen zeremoniell mit dem Horror ausgesöhnten Score zu tun zu haben, der als mystische Collage nie in die Extreme geht, (sich) letztlich in Form von In Dark Trees aber verdient mit einem entsprechend eindringlichen Brian Eno-Cover belohnt. Ja, die Black Metal / Doomjazz-Würze steht der Dark Ambient-Essenz der Gruppe extrem vielversprechend!


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