The Forest of Knives – The Decomposition EP
Chad Kapper und Aaron D.C. Edge liefern mit der [am 13. Februar 2026 erscheinenden] The Decomposition EP einen ersten Teaser auf das, womit sie demnächst im Album-Format die Grenzen des Avantgarde Tech Metal herausfordern werden.
Um die womöglich größte Tugend dieser dem Mutterschiff Decomposition Continuum I: Fragmentation Bloat vorauseilenden ersten beiden The Forest Of Knives-Songs einzufangen, gilt es, ein klein wenig auszuholen und auch das bisherige Schaffen der beiden Urheber in Perspektive zu den knapp elf Minuten hier zu setzen.
Aaron D.C. Edge hat alleine mit The First and Last Days of Unwelcome einen kleinen Klassiker des sludgigen Doom geschaffen. Er ist Spezialist für Alleingänge wie Kooperationen und beschert dem Genre anhand einer uferlos Diskografie unter dem Banner unzähliger Projekte – von Bible Black Tyrant bis Hellvetika – praktisch ohne Verschnaufpause unschätzbar wertvolle Geschenke.
Chad Kapper hat dagegen das Mikro bei der aktuell wohl besten Mathcore Band des Planeten in der Hand, derweil er alte Schätze von A Dark Orbit und When Knives Go Skyward aus den Archiven holt, oder mit Unikneim grindig nach vorne blickt.
Die beiden Musiker haben an der Achse aus Quantität und Qualität also Basen auf enorm hohem Niveau etabliert, sie erfüllen Erwartungshaltungen mit einer bestechenden Zuverlässigkeit. Als veritables Supergroup-Tandem The Forest Of Knives zusammenfindend (eine Kooperation, die man aufgrund der stilistischen Distanz der beiden Parteien übrigens nicht zwangsläufig auf der eigenen 2026er-Bingo-Karte haben musste) ruhen sie sich jedoch auf ihrem jeweiligen Status Quo nicht aus, sondern überraschen und agieren quasi abseits der Komfortzone ohne Netz und doppelten Boden.
Oder um den Bogen zum Einstieg zu schließen: Die vielleicht größte Tugend der Decomposition EP ist der Umstand, dass das Projekt eine Synergie zeigt, die neues wagt und in ihrem Eklektizismus spektakulär eigenwillig, so ambitioniert und hungrig klingt – ja, auf faszinierende Weise sogar einen herrlichen Größenwahn zelebriert.
„Sharp bombastic technical & orchestrated metal“ nennen Kapper und Edge dies, und sie führen Bands wie Gorguts, Imperial Triumphant, Behemoth, Ulcerate, Converge oder Krallice als Anhaltspunkte an. Damit liegen sie absolut nicht falsch, klammern aber aus, dass The Forest Of Knives entlang dieser passgenauen Assoziationen und einer selbstreferentiell geprägten Handschrift jedoch eine ganz eigene und unerwartete Bildsprache gefunden haben.
Bangor würgt seine krude Rhythmik wie apokalyptisch wogende, groteske Ornamente über einen verstörenden Groove. Trillierend flimmernde Gitarren verzahnen sich komplex, Kapper steht ungewöhnlich tief im Mix und wird von einer punkig nach vorne kloppenden Dynamik umspült. Der Opener ist auf eine hirnwütige Weise catchy, verschiebt repetitive Muster mit einer methodischen Unberechenbarkeit, walzt sich vorsichtig hin zu sinfonischen Artangements. (Und wenn es etwas an der Decomposition EP zu bekriteln gibt, dann, dass die orchestralen Elemente aus der Dose ebe nie derart überwältigen können, wie organisch eingespielte; während das offene Ende der beiden Stück in den größeren Kontext gerückt keine Rolle mehr spielen wird.)
The Grave… drängt diese Ansätze auf eine sakrale Dramatik gebaut noch weiter hinaus, faucht und keift ein episches Panorama herbei, zu weihevollen Fanfaren, cinematographischem Horror, fiebertraumartigen Details, keiner Überladung und poetischer Reflektion: „Leave me be in peace and quiet/ Alone by means of silence/ In waves, my mind gathers knowledge now/ Slowly I’m flawed/ Reeling in sway/ That you’re so lost/ You now move on.“
Dabei ist es noch nicht auszudenken, wo die Grenzen hinter diesem manischen, ebenso auslaugenden wie erfüllenden Mahlstrom liegen, in den sich Forest of Knives zu stürzen begonnen haben. Decomposition Continuum I: Fragmentation Bloat könnte jedenfalls kaum ein essentielleres Versprechen gegeben werden, als es dieser so potente Vorab-Trailer in EP-Form ist.

2 Trackbacks