Lone Wanderer – Exequiae

von am 5. April 2026 in Album

Lone Wanderer – Exequiae

Ernst Ferdinand Oehme liefert mit seinem (aktuell relativ gefragten) 1828er-Gemälde die ideale ästhetische Entsprechung für die elegische Funeral Doom-Prozession, auf die sich Lone Wanderer auf ihrem dritten Studioalbum Exequiae begeben.

Als Sinnbild die dabei an die Nacht gelegte, vom bunten Aspekt des farblichen Spektrums weitestgehend befreite Konsequenz dient natürlich die ausgiebige Spielzeit des Openers To Rest Eternally ideal. Doch ist Exequiae vor allem aus ganzheitlicher Perspektive kompromisslos und auslaugend, wo die weiteren Facetten der Platte – wie Existence Nullified am Ende beispielsweise knackigere Riff-Kaskaden für die tragische Eleganz einer urzeitlichen Finsternis findet, das zähere Life’s Lost Vanity eine epochale Triumphgeste zwischen Pallbearer und Loss darstellt, derweil Anhedonia eher zu Bell Witch schielt und Epistemology of the Passed in die Gruft hinabsteigt – puristische Nuancen des in sich geschlossenen 72 minütigen Ganzen darstellen.

Lone Wanderer bewegen sich nach einer relativ langen Auszeit wie schon auf The Majesty of Loss (2016) und The Faustian Winter (2020) in monolithischer Zeitlupe, zu Melodien von ebenso bekümmerter wie wunderschöner Grandezza. Die Heaviness ist bewegend, schmerzhaft und traurig. Sie schreitet kontemplativ durch doomig-verträumte Landschaften. Die dichte Atmosphäre und der Tiefgang schwelgen in einem naturalistischen Existentialismus, growlen mit stoischer Geduld und zelebrieren die Essenz des Genres. Mystisch. Spirituell. In einem geerdeten Sound, der keine expliziten Ausbrüche benötigt, um in seiner weihevollen Lethargie dynamisch zu fesseln.

Das Songwriting der Band – Bruno Schotten (Gitarren und Vocals), Jakob Zeblin (Drums) sowie Simon Brooker (Bass) und Gitarrist Jonas Weber – bekommt Raum und Zeit, um seine Sogwirkung zu entfalten. Nicht verzweifelnd, sondern sich an der Ahnung von Optimismus und Hoffnung am peripheren Blickfeld labend. Womöglich auch, weil man den größten Kraftakt schon zum Einstieg gestemmt hat – und danach niemandem mehr etwas beweisen müsste.
Weswegen es letztlich dann doch auch heißt, explizit über das 25 minütige To Rest Eternally als Machtdemonstration und Schaulaufen zu schwärmen, wenn es darum geht, die Stärken dieses Drittwerks hervorzuheben.
Weil Lone Wanderer hier die Bandbreite ihres Wesens vielleicht epochaler denn je ausbreiten; rezitieren und später im Hall einer melodisch-nachdenklichen Lichtung badend erzählend, die Schwere herausnehmen und Gitarren auch mal ohne Verzerrung klar perlen, während eine Grabes-Stimme sinniert, und das Finale geradezu wundervoll zum Blackgaze flimmert und dann auch an Fahrt aufnimmt. Revolutionär oder originell ist das zwar nicht unbedingt – aber in seinem Rahmen absolut und definitiv. Und vor allem: geradezu nebulös kurzweilig.

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