Maxïmo Park, Art Brut [15.03.2026: Arena, Wien]

von am 18. März 2026 in Featured, Reviews

Maxïmo Park, Art Brut [15.03.2026: Arena, Wien]

Mit einem Jahr Verspätung feiern Maxïmo Park – mit Support-Unterstützung der Jahrgangskollegen Art Brut – aktuell das 20. Jubiläum ihres bis heute perfekten Debütalbums A Certain Trigger.

Paul Smith genießt die Euphorie in der seit langem ausverkauften Arena merklich und lässt sich, nachdem seine Bandkollegen – neben dem regulären Trio um Drummer Tom Smith und Gitarrist Duncan Lloyd die langjährigen Tour-Begleiter Andrew Lowther (der als Bassist unscheinbar professionell im Hintergrund agiert) sowie (die mit ihrer lockeren Spielfreude einfach herrlich sympathisch als heimliche Heldin des Abends agierende Keyboarderin) Jemma Freese – nach der Zugabe bereits von der Bühne verschwunden sind, noch vom Applaus der Menge immer weiter feiern: Da geht ihm und der Menge ein bisschen das Herz auf, denn ja, das Wien-Gastspiel hat allen Anwesenden wahrlich sehr, sehr viel Freude bereitet.

Maxïmo Park Maxïmo Park

Wie viele Hits (wirklich: Hits!!) die Band aus Newcastle in knapp eineinhalb Stunden Spielzeit – und dabei beinahe den komplette Indie-Instant-Klassiker von 2005 in nicht-chronologischer Reihenfolge abdeckend – zu packen fähig ist, ist aber auch nichts anderes als eine reine Endorphinschub mit einer Prise Nostalgie-Euphorie: Von Signal and Sign weg, über Apply Some Pressure als Closer der regulären Setlist bis hin zum Encore-Finale Going Missing geben sich die Smasher in einer nahezu idealen Fan-Pleaser-Songauswahl die Klinke in die Hand.

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Nicht mehr ganz so fit wie während der Heydays des 00er-Britrock ist Eddie Argos. Doch seine Band – zu denen übrigens unlängst Steh-Drummer Mikey Breyer zurückgekehrt ist – klingt vielleicht kraftvolle denn je. Und der Art Brut-Frontmann selbst kompensiert seine stimmlichen Limitierungen (die es ihm nicht einmal erlauben, seinen Sprechgesang für ein etwaig explosiveres Finale in den Songs intensiver anzulegen) mit viel Charisma und Entertainment-Faktor – in My Little Brother drosselt er seine Kollegen etwa für spaßige Exkursionen und macht aus dem Rausschmeißer Wham! Bang! Pow! Let’s rock out! den munter hinausgerufenen Call-and-Response-Shouter: „I don’t want to go home yet!
Yep, weshalb auch – Art Brut (deren Bang Bang Rock & Roll ja nur zwei Wochen jünger als A Certain Trigger ist) holen Hits wie das repetitive (jedoch auch ausgelassen AC/DC sowie R.E.M. zitierende) Formed a Band oder Emily Kane aus der hintersten Ecke der Nostalgie-Ecke und machen live als ideal gewählter Opener wirklich Bock. Warum Argos auch nach dem 20 gemeinsamen Tour-Stopp allerdings vor allem immer noch der Show der Headliner-Kollegen entgegenfiebert, klärt sich ab 20.01 Uhr ohne Aufwärmphase.

Setlist:
Formed a Band
My Little Brother
She Kissed Me (And It Felt Like a Hit)
Pump Up the Volume
Modern Art
Emily Kane
Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!

Drei Jahre nach dem überschaubaren Gig im Flex konzentrieren sich Maxïmo Park in Bestform und enormer Spielfreude auf ihre Hochphase und ergänzen das Programm nur doch andere Karriere-Highlight: Nature Always Wins und Stream of Life beschränken sich vernünftigerweise auf die im Kontext gut funktionierenden Singles Favourite Songs und das bejubelte Versions of You; Too Much Information (Leave This Island) und The National Health (mit seinem Titelstück) tragen leider beide nur einen Vertreter bei, und das stets unter Wert verkaufte Quicken The Heart wird trotz Steilvorlagen wie The Kids Are Sick Again ebenso ausgespart wie der Namensgeber vom 2017er-Werk Risk to Exist.
Weil das Keyboard an diesem Abend funktioniert, gibt es in Wien auch wieder nur die üblichen vier Our Earthly Pleasures-Lieblinge (von denen Karaoke Plays, wie man lernt, seinerzeit übrigens in der Arena seine Premiere gefeiert haben soll).
Und während man darüber mosern kann, dass (das nach dem Feuerwerk der eröffnenden 19 Konzertminuten etwas verhaltener aufgenommene) A19 nicht die beste B-Seite rund um das Debütalbum ist, gibt es tatsächlich eigentlich nur den Umstand zu bekritteln, das Once, a Glimpse als Stiefkind der Jubiläums-Platte schlichtweg unter den Tisch gekehrt wird.

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Der (nur selten zu laut werdende) Sound ist übrigens sehr gut (obgleich man jedoch ausgerechnet Acrobat in zu viel Hall auf den Vocals watten lässt), die Stimmung noch weitaus besser. (Bei einer besoffenen Gruppe links vor der Bühne sogar ein bisschen zu sehr – weswegen kurz vor dem Ende auch ein Security Guy einschreiten wird.)
Sicher feiern die mit der Band älter gewordenen (und offenbar eher wenige wirklich junge neue Rekruten anziehenden) Fans wie auch die Band selbst ganz unkaschiert in der Erinnerung verknüpfte Emotionen, doch diese sind frisch und unverbraucht, zumal die Songs an sich ihr Momentum nie verloren haben. Einzelne Passagen wie in Limassol dürfen sogar ein klein bisschen exzessiver aufsticken, während Smith seine ikonischen Sprünge und Posen immer noch ansatzlos beherrscht – und letztlich eben die Arena eben gar nicht mehr zu verlassen scheinen will.
Was allerdings so wohl für jeden Anwesenden gilt, denn Maxïmo Park hätten gerne noch eine halbe Stunde dranhängen können, ohne Abnutzungserscheinungen zu zeigen.
Dass schätzungsweise nichtsdestotrotz wirklich jede einzelne Person glücklich nach Hause gegangen sein dürfte, schießt den Kreis dennoch absolut stimmig.

Setlist:
Signal and Sign
Graffiti
Postcard of a Painting
Our Velocity
Leave This Island
The Coast Is Always Changing
The Night I Lost My Head
A19
Karaoke Plays
Now I’m All Over the Shop
Favourite Songs
I Want You to Stay
Versions of You
The National Health
Girls Who Play Guitars
Kiss You Better
Limassol
Apply Some Pressure

Encore:
Acrobat
Books From Boxes
Going Missing

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