Mitch Sanders – Saloon

von am 24. November 2025 in EP

Mitch Sanders – Saloon

Mitch Sanders könnte man schon seit 2024 durch seine erste Songsammlung These Things We Carry auf dem Radar haben. Mit der zweite EP Saloon unterstreicht er die gezeigten Qualitäten dieser erster Talentprobe aber noch einmal mit einer größer gewordenen Bandbreite, deutlicheren Assoziationen – und einem prominenten Fürsprecher.

Im Jahr des endgültigen Sam Fender-Durchbruchs weckt der junge Mann aus Bristol am Anfang seiner Karriere stehend immer wieder Erinnerungen an seinen prominente Landsmann – gerade in Emotion Kicks, das ähnliche Sehnsüchte in sich zu tragen scheint. Statt Bruce Springsteen scheint Sanders aber die ätherische Ästhetik von U2 zu vergöttern, und plätschert dort, wo Fender die The War on Drugs-Zügel für einen zwingenden Ohrwurm enger gezogen hätte, gemütlich in eine wirklich fein verträumte Poprock-Gefälligkeit, die später in seiner subversiven Art auch Backingstimmen addiert.

Ein bisschen, als könnte sich der ehemalige Maurer anstelle von Stadien das Roadhouse als ideale Auftrittsumgebung vorstellen. Wenn ein Song wie Moth mit der nötigen Lautstärke umspült, hat das dann nicht nur eine subversiv erhebende Wirkung, sondern eben auch eine solche, würde man im besagten Bang Bang Club in eine vom Shoegaze entrückten Erinnerung an Crimson and Clover eintauchen, bei der die flehende Verzweiflung und Inbrunst immer nur anvisiert, aber nie erzwungen wird. So zieht Saloon vor allem durch seine atmosphärische Gravitation in seinen reizvollen Bann, niemals mit ekstatisch erfüllender Vordergründigkeit.

Die Aufbruchstimmung von Ellen hat insofern auch eher etwas von einen Verweilen und ist im Hall treibend Musik, um melancholisch sinnierend aus dem Fenster zu starren, während die Landschaft bedächtig vorbeizieht, und ist auf jene frühe The Verve-Art hymnisch, die mit romantischer Nostalgie eher die vage Atmosphäre um dieses Gefühl herum einzufangen versucht, als tatsächlich den Finger auf den Punkt zu legen – wodurch die verführerische Eklektizismus von Sander auch etwas Unverbindliches hat.
Heaven is Ours schleicht dergestalt spartanisch um den Post Punk, um mit einer fabelhaften Hook stimmlich so elegant auftrumpfend wie eine Instant-Ohrwurm-Demo (im organischen Sound) für einen Inhaler-Hit zu klingen, der sich aus Glasvegas-Vibes samt Raveonettes-Ästhetik speist.

Im abschließenden Mum blickt Sanders dagegen nicht mehr in die Ferne, um seine zwischen Nacht und Tagesanbruch schwelgenden Sound zu variieren, sondern geht an den Kern seiner Heimatstadt: Veteran Tricky zieht den Closer zumindest stimmungstechnisch ein Stück weit in den Trip Hop, bleibt aber zurückhaltend und setzt sparsame Akzente, während die Nummer sedativ pulsiert und eine Trompete somnambul den Mond anbläst. Tricky spricht mit klaustrophobischer dunkler Stimme im Hintergrund und beschwört damit eine heavy im transzendenten Äther riffende Gitarren und ein Crescendo, dass dann aber erlösend an der Lounge vorbei poltert und sich dem Silberstreifen am Horizont entgegenbewegt.
This is the end“ croont Sanders am Ende von Saloon, was natürlich pure Chuzpe ist. Denn von diesem Typen wird man zukünftig wohl noch viel hören.

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