Mitski – Nothing’s About to Happen to Me

von am 7. März 2026 in Album

Mitski  – Nothing’s About to Happen to Me

Mitsuki Laycock beschert dem 2023er Vorgängeralbum The Land Is Inhospitable and So Are We mehr oder minder eine nahtlose Fortsetzung – doch als Ganzes verliert Nothing’s About to Happen to Me dann zwischen seinen den Blickwinkel an sich verkleinernden Ansichten unausgegoren die Perspektive.

Die niemals leicht auszurechnende Mitski folgt ihrem achten Studioalbum entlang universeller Gedanken zu Themen wie Isolation und Anonymität dem Narrativ einer Einsiedlerin, die nur in ihrem vermeintlich eigenen Haus frei sein kann. Was theoretisch für einen gewissen Fokus sorgen sollte, praktisch aber einige – synonym in stilistischer wie qualitativer Hinsicht – ausscherende Momente aus der homogenen Linie der Singer-Songwriter-, Americana- und Indie Pop-Heimeligkeiten nicht verhindert.
Where’s My Phone? ist beispielsweise ein arg simpel und straight angelegter Rocker (und kleiner Ohrwurm-Hit) im Weichzeichner, in dem der Gesang eine schwelgende Reihe hinter den Instrumenten zu träumen scheint, und selbst dann noch in somnambulen Gesten schwelgt, wenn das harmlose Instrumentarium hinten raus immer eindringlicher mit Streichern den Druck verstärkt. Dass das – nebst Arrangeur Drew Erickson – weitestgehend mit der The Land-Touring Band (Callan Dwan, Jeni Magaña, Bruno Esrubilsky, Ty Bailie, Fats Kaplin und Brijean Murphy) entstandene Material gerade in den flotteren Passagen – und vor allem auf der von Schlagzeuger Esrubilsky rhythmisch ziemlich langweilig umgesetzten Ebene (worunter auch das ruhige, an sich schöne Instead of Here leidet)- schwächelt, fällt schon zu diesem frühen Zeitpunkt auf – und ins – Gewicht.

That White Cat (das perkussiv um animalischer Besitzansprüche poltert, wo selbst die mystische Bridge den knackigeren MO nicht verlässt) und die devote Slowcore-Grunge-Wehmut If I Leave, die zur Mitte hin die Verstärker anwirft, sind dagegen geradezu rund und ausgefeilt, können die Stärken von Mitski aber ebenfalls nicht bündeln und wirken im Kontext zudem wie bemühte Ausreißer.
Stimmiger ist da die restliche Masse, die ansonsten viel schlüssiger eingewoben Akzente hinsichtlich der Dynamik setzt – wenn auch nicht immer unbedingt subtil, wie das mit Ziehharmonika, Banjo und Country-Tendenz gemütlich in der Entschleunigung schippernde In a Lake vormacht, nachdem die sinfonischen Arrangements in der großen Stadt ankommend in kurzer, filmischen Opulenz erblühen: einfach absolut wundervoll!

In der bedächtige Americana-Ballade Cats bleiben dagegen selbst die Bläser sehr zurückhaltend (und die Drums eindimensional), und das nirgendwohin bimmelnde Dead Women mutet wie eine Adaption der MagnetLay Lady Lay-Ästhetik mit dem Weichzeichner an, derweil Rules soulige Dylan-Platten mit Wilco-Aroma paart (wobei die jubilierenden Bläser vielleicht eine Spur zu früh ins Geschehen drängen). Charon’s Obol wechselt die schlapfende Perspektive auf Father John Misty mitsamt einer tollen Chor-Arbeit, bevor Lightning alle Elemente aus der Einkehr mit einer in den Himmel ragenden Geste zusammenbringt – die dann symptomatisch für Nothing’s About to Happen to Me seltsam unspektakulär verschwindet.
Alles hier ist gut, wenig aber wirklich mehr. Nur mittendrinnen in diesem selektiv sehr fein glänzenden, als Ganzem aber nie restlos überzeugenden Reigen lässt einem das loungig-jazzig klimpernde, heimliche Highlight I’ll Change for You irgendwo zwischen Angel Olsen und Sharon Van Etten dann doch wieder mit einer zeitlosen Grandezza das Herz so sanft aufgehen, wie das in dieser Form nur Mitski bewerkstelligen kann. Und alleine deswegen schon wird die Platte als Ganzes nicht vollends im Schatten von The Land Is Inhospitable and So Are We untergehen.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen