Portugal. The Man – Evil Friends

von am 3. Juni 2013 in Album

Portugal. The Man – Evil Friends

Weil sich Portugal.The Man spätestens seit ‚The Satanic Satanist‚ ohnedies immer weiter dem Sommer und der Mitte des letzten Jahrhunderts annäherten und Brian Burton seine souligen Produktionen immer schon  dorthin gebügelt hat, kommt auf ‚Evil Friends‚ eigentlich nur zusammen, was sich wohl zwangsläufig irgendwann finden musste.

Schier unglaubliche zwei Jahre nach dem letzten Studiowerk klingt Album Nummer Sieben dann auch beinahe genau so, wie man es sich nach dem immer poporientierter werdenden Indierock der mittlerweile in Portland ansässigen Kombo in Addition mit den erfolgsgarantierenden Produzentenhänden des Black Keys-Goldesels Danger Mouse ausmalen konnte. Auf den ersten Blick ist der hörbare Grad der Einflussnahme von Brian Burton dann zwar weniger eklatant ausgefallen, als es etwaige Vorabkostbrocken andeuteten, dennoch kaschiert ‚Evil Friends‚ selten, wer hier diesmal den hibbeligen Haufen aus Alaska dirigiert hat.

Ein ‚Atomic Man‚ etwa klingt trotz psychedelischer E-Gitarren, Stadion-Moment und John Gourleys androgyner, durch den Verzerrer gejagten Stimme unbedrängt nach Burtons Broken Bells; der beängstigend souveräne Hit ‚Creep in a T-Shirt‚ hat den typisch anachronistischen Retro-Danger Mouse-Shuffle samt tänzelndem Piano sowie swingende Bigband-Ambitionen und teilt sich mit ‚Someday Believers‘ auch jene Art selbstgestemmter, beschwingter Chöre, die Portugal.The Man immer schon gerne aufgefahren haben. ‚Holy Roller (Hallelujah)‚ spannt dann gar lose Ahnungen bis zu Burtons Hip Hop-Wurzeln, wenn das runderneuerte Quintett vormacht wie es geklunge hätte, wenn Kanye West für ‚Gold Digger‚ nicht bei Ray Charles abgeschaut hätte, sondern sein Sample aus der schillernden kleine Messe von Portugal.The Man zieht- ausladende Streicherparts inklusive. Die Grenzen zwischen Produzententätigkeit und Songwriter verwischen hier gefühltermaßen wie bei vielen Arbeiten Burtons.

Vor allem aber hat es Danger Mouse verstanden, die Popseite der Band so ungeniert  wie anbiederungsbefreit aufzublasen: ‚Evil Friends‚ ist rundum das bisher wahrscheinlich zugänglichste Werk der Band geworden, vielleicht sogar ihr frontalstes – regelrecht Kindergarten-taugliche Minimalmelodien am 8-Bit-Synthesizer sprechen alleine im hymnischen ‚Modern Jesus‚ eine deutliche Sprache. Der Spagat, um aus der Komfortzone der Band heraus neue Hörerschichten erschließen zu können sollte damit mühelos gelingen, der Schritt hin zu Millionen verkaufter Platten wird dann zwar doch (noch) nicht in letzter Konsequenz vollzogen: ‚Evil Friends‚ bewahrt sich eine gesunde Grundverschrobenheitt. An der polierteren Oberfläche sind das also (eigentlich: wie immer) Ohrwürmer und (Beinahe-)Hits, darunter im besten Fall geschickt arrangierte Popsongs zwischen hippieskem Gospel-Jam (wunderbar reduziert: ‚Sea of Air‚), handzahmer Psychedelik, zielgerichtetem Freak-Folk und Nicht-mehr-wirklich-Prog, wie Portugal.The Man sie immer schon geschrieben haben.

Der Weg hin zu einer gesteigerten Massentauglichkeit, er führt letztendlich auch weniger entlang des durchaus kompakteren Songwritings der Band, als vielmehr durch das maßgeschneiderte Soundkostüm von Brian Burton.
Und natürlich: ‚Evil Friends‚ ist damit (wieder einmal) kein schwaches Album geworden- vielleicht mehr noch als all seine Vorgänger – sogar jene Art von Platte geworden, die den Sommer im Alleingang heraufbeschwören kann. Auf der anderen Seite raubt die gesättigtere Produktion von Burton in Verbindung mit abgeschlifferneren Kanten den sympathischen Amerikanern auch einiges der förmlich zu explodieren scheinenden Spielwut älterer Tage: aus der bisweilen magischen musikalischen Wundertüte Portugal.The Man ist längst die überdurchschnittlich solide Popband Portugal.The Man geworden, eine Entwicklung, die hier formvollendet wird.
Evil Friends‚ ist also der paradoxe Moment, in der sich die konstant hochkarätig abliefernde Band selbst frisches Blut injiziert hat und damit einen Ausweg aus der stagnierenden Gefälligkeit der letzten Jahre aufzeigt – gleichzeitig aber auch klar macht, dass sich man sich in derart routinierten bis bisslosen Umfeld durchaus an der düdelnden Feierlichkeit der typischen Portugal.The Man-Melodien satt gehört haben kann.

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