Rocket Juice & The Moon – Rocket Juice & The Moon

von am 3. April 2012 in Album

Rocket Juice & The Moon – Rocket Juice & The Moon

Damon Albarn, Flea und Tony Allen basteln ein Supergroup Album, das sich vollkommen unprätentiös als unspektakuläre Momentaufnahme einer musikalischen Verbundenheit gefällt.

Gibt es im Pop, zumindest im westlich geprägten, eigentlich noch viel zu holen, für das umtriebige Genie hinter Blur, den Gorillaz und schätzungsweise tausend weiteren betreuten Nebenprojekten? ‚Rocket Juice & The Moon‚ legt diese Frage nun noch näher, als es beispielsweise Albarns Soloausflüge oder der Wurzeln schlagende Kooperationsausflug ‚Mali Music‚ ohnedies schon taten. Und abseits seiner so fulminanten letzten Supergroup The Good, The Bad & The Queen hat das spontan auf einem Flug nach Lagos erdachte Prominentenprojekt noch nicht einmal mehr am Rande etwas mit Pop zu tun, da führt die eingängige Nummer der Platte, ‚Poison‚, mit all ihren Albarn Trademarks ebenso hinters Licht, wie sie repräsentativ für die restlichen neunzehn Songs stehen darf: ‚Rocket Juice & The Moon‚ atmet den verwestlichten Geist Afrikas, stellt die so fulminante Rhytmus- und (Afro-)Beatarbeit von Fela Kuti Schlagzeuger und The Good, The Bad & The Queen-Spezi Tony Allen in die Auslage. Die Red Hot Chili Pepper Schote Flea darf sich darüber in aller Nonchalance austoben, ohne permanent unter Beweis stellen zu müssen, dass er der wahrscheinlich beste Funkrock-Bassist der Welt ist. Quasi das natürliche Gegenstück zur aktuellen Peppers Platte, die dann auch einen Strich durch alle Rocket Juice Tourgedanken macht.
Und Albarn? Taucht außer bei ‚Poison‚ nur selten hinterm Mikro auf, spielt lieber hier ein wenig Gitarre und dort ein bisschen Synthie, bleibt wie alles auf ‚Rocket Juice & The Moon‚ stets in Bewegung und nie vollends greifbar, geht im quirligen Stilmix auf und unter.

Der versammelte Funk, das ganz wenige bisschen Pop und ansatzweise Rock, viel unterschwelliger Soul zwischen reichlich Rap und zappelnden Trance-Tänzern mit mehr Gefühl im kleinen Finger, als andere Bands im ganzen Körper haben. Die versammelten Gäste wie das Hypnotic Brass Ensemble oder Erykah Badu verkommen da beinahe zur Nebensache, spielen zumindest zweckdienlich ohne Allüren,  weil der so unscheinbar ineinander greifende, relaxte Albumfluss die Spannung aufrecht erhält und vor allem der drückend schwere Flow von M.anifest den feingliedrigen Jam prägt, der nie zum Selbstzweck verkommt, songdienlich bleibt und trotzdem abseits des imposanten Namedroppings keinerlei Zugeständnisse an den Mainstream machen muss und den Hörer plötzlich als kosmopoliten Weltmusikkonsumenten adelt. DRC Music für die Massen.

Rocket Juice & The Moon‚ ist deswegen ein unaufdringliches Schaulaufen seiner versammelten Protagonisten geworden, kann es sich aber leisten, keinen einzigen Scheinwerfer auf die versammelte Starriege zu werfen. Wer das im sonstigen Schaffen Albarns verankern muss, kann dies zwischen ‚Monkey‘, ‚Mali Music‘, ‚Kinshasa One Two‚ und dem Gorillaz Experimentalwerk ‚The Fall‚ tun, sich die prägnante Tony Allen Magie hinzudenken und adäquate Nachfolger für ‚Song 2‚ oder oder ‚Feel Good Inc.‚ abschminken. Denn dass Albarn derartige Songs quasi ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Ärmel schütteln kann, lässt ein Werk wie ‚Rocket Juice & The Moon‚ in seiner unbekannten Bekömmlichkeit eigentlich nur noch besser werden.

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