Sanguisugabogg – Hideous Aftermath

von am 30. November 2025 in Album

Sanguisugabogg – Hideous Aftermath

Mit ihrem dritten Studioalbum Hideous Aftermath haben sich die Zungen- und Knochenbrecher Sanguisugabogg endgültig vom Gimmick zur ernstzunehmenden-Szenegröße gemausert. Dafür bürgen auch zahlreiche namhafte Kollegen.

In Felony Abuse of a Corpse schaut Damonteal Harris von Peeling Flesh vorbei, weswegen die Band dem Song eine Prise Primitive Man mit der Adrenalinspritze verschreibt und breitbeinig riffend von der Punk-Tarantel gestochen wird. Nails-Kopf Todd Jones fühlt sich in einer derart aggressiven Umgebung natürlich sowieso pudelwohl (Ritual Autophagia) und Abhorrent Contraception führt seinen besonders morbiden Horror Ausgang mit Josh Welshman von Defeated Sanity in die Hässlichkeit eines Fade Outs – im Mittelteil der Platte eine öfter gewählte Obszönität.
Weil Sanguisugabogg selbst im Alleingang für den deutlichsten Schub aus der Komfortzone sorgen und den stoischen Industrial-Vibe von Repulsive Demise headbangend mit zappelnder Hi-Hat und ekelhaft gutturaler Texturen thronen lassen, durch das Abblenden der Nummer auch wie eine vage isolierte Insel im Herzen von Hideous Aftermath treiben lassen.

Ein relativer Grenzgang, der Dylan Walker in seiner inhumanen Dämonisierung gefallen sollte. Tatsächlich steigt der Full of Hell-Derwisch aber erst später in den Ring – nachdem Travis Ryan (Cattle Decapitation) fauchend-stichelnde Laser-Attacken in Semi Automatic Facial Reconstruction zusätzlich befeuert hat: er bremst den Closer Paid in Flesh zur Halbzeit komplett für das Waten im Feedback des in zäher Contenance fliesenden Doom Drone aus.

All diese Features helfen Sanguisugabogg einerseits dabei, notwendige Akzente zu setzen um ihre abonnierte Melange aus Cannibal Corpse-Death Metal, Beatdown Hardcore-Attitüde und slammender Mosh-Brutalität im Sturm aus Breakdowns, tackernder Raserei, Riffs en masse und growlendem Fauchen dynamische (wenngleich stilistisch eigentlich nahezu deckungsgleich assimilierte) Akzente zu setzen. Andererseits bewirken sie im Umkehrschluss auch, dass die ohne Gäste auskommenden Stücke von Hideous Aftermath kompositorisch an sich fokussierter und runder wirken, als noch auf Tortured Whole (2021) und Homicidal Ectatasy (2023).
Dass das Drittwerk der Band aus Ohio so im fetten Sound entlang vieler toller Szenen (wie etwa, wenn Rotted Entanglement zur Mitte hin eine apokalyptische Riff-Majestät schleppt, Heinous Testimony sich fast vor Dringlichkeit in den Groove überschlägt oder Erotic Beheading besonders grindig den psychotischen Schub bekommt oder einige Passagen Elemente von Everybody Dies mitgenommen haben) und einer grundlegend grobschlächtigen Stumpfheit das längste Album der Band und dennoch ihr kurzweiligstes ist, ist die logische Konsequenz.

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