Silversun Pickups – Tenterhooks

von am 14. Februar 2026 in Album

Silversun Pickups – Tenterhooks

Ähnlich frustrierend wie zuletzt: Da holen die Silversun Pickups für Tenterhooks eine ordentliche Substanz aus ihrem üverraschungsfreien Baukasten heraus, bringen die PS dann jedoch abermalsnur leicht überdurchschnittlich auf den Boden.

Sicher kann man diesmal argumentieren, dass das siebte Studioalbum der Band aus Los Angeles auch deswegen über weite Strecken derart verhalten klingt, weil es den Umstand widerspiegeln dürfte, dass Frontmann Brian Aubert sich während der Aufnahmen am Trommelfell verletzt hat. Doch nach drei gemeinsamen Alben muss man der Wahrheit einfach ins Gesicht sehen, dass Butch Vig als Produzent dem Quartett eher schadet, als nutzt.
Schließlich schafft er es nicht, den Silversun Pickups in den entscheidenden Szenen eine exzessivere, hungrigere Energie mit auf den Weg zu geben oder einen Sound zu kreieren, der ein nötiges Momentum erzwingen könnte.

Ein Thorns and All hat beispielsweise eine wirklich tolle Hook, pennt aber mit seiner trögen Dynamik geradezu ein, während die Band einen Tritt in den Allerwertesten gebraucht hätte. New Wave baut seine Spannungen geduldig mit epischer Sehnsucht auf, vertändelt diese nach dem Ausbruch in seiner Hälfte jedoch im enervierend unverbindlichen Mäandern. Am anderen Ende dreht sich Hot Wired sogar die gesamte Spieldauer über ohne zwingenden Hebel um lose Ideen.
Long Gone bekommt durch die Acoustic-Tendenz eine beschwingte Leichtigkeit und gönnt sich verträumt filmische Texturen, geht ohne konsequentes Ziel jedoch auf keiner Ebene all in, derweil auch das pulsierende Running Out of Sounds mit stimmungsvollen Piano und nautischen Bläsern nur an der Oberfläche kratzt.
Und das von Nikki Monninger gesungene Au revoir reservoir wiederum fällt deplatziert aus dem Fluss, und wäre als flotter, ausgelassener Pop inszeniert toll – hier aber wirkt es, als hätte Vig der Band eine tröge machende Handbremse angezogen.

Und trotz dieser Verschwendung des Potentials kann man sich auch durch Tenterhooks wieder beinahe eine Handvoll Songs in das Post-Dave Cooley-Best-of packen.
Allen voran ist da das schmissige The Wreckage, das knackiger als der Rest zündet. Im skizzenhaft eingeworfenen Wakey Wakey erinnern der treibende Bass und nervösere Gitarren im hibbeligen Rhythmus vage an die Energie der ersten beiden Alben, bevor das kontemplativere Witness Mark in einer Radiohead’eske Trance abtaucht. Am besten ist wohl dennoch die Atmosphäre der pumpkinshaften 90er-Nostalgie Interrobang.
Dass Tenterhooks, der Spannhaken, im englischen auch für den Umstand in höchster Anspannung auf glühenden Kohlen zu sitzen verwendet wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: die Hoffnung, dass der Band der Knopf noch einmal wirklich aufgehen könnte, fühlt sich bei auf weiteres – also: der Gesellschaft von Vig – nämlich eher wie ein Warten auf Godot an.

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