Every Time I Die – From Parts Unknown

von am 10. Juli 2014 in Album

Every Time I Die – From Parts Unknown

Die Vorzüge des siebten Every Time I Die-Austickers liegen selbstverständlich auch im fett bollernden Godcity-Sound, den Produzent Kurt Ballou der Band verpasst hat. Aber auch abseits davon muss der Converge-Gitarrist die richtigen Knöpfe gedrückt haben, um dem Quintett ihr bisher stärkstes Album abzuverlangen.

Die der Kombo seit jeher zugrunde liegenden Trademarks hat Ballou jedenfalls nicht über den Haufen werden müssen um die bisher abgesteckten Limits neu zu vermessen. Immer noch zerschießen Every Time I Die ihren hyperventilierenden Tech-Metalcore mit stakkatohaft abgehakten Math-Breakdowns und wüstem Hardcore-Geknüppel, nur um ihn gleich darauf mit breitbeinigem Southern-Cockrock wieder zusammenzusetzen. Immer noch brüllt, keift, greint, croont und jault sich Keith Buckley als Mann der tausend Stimmvaritionen nicht nur seinen unzerstörbaren Kelhkopf blutig, sondern erweist sich einmal mehr als meisterhafter Lyriker, selbstrelektierender Chronist seines Niedergangs und sarkastischer Meister der creepy Beziehungstipps und beängstigenden Romantik im markanten Einzeilerformat. „They don’t love you, like i do/But I don’t know you, like them“ ist da nur einer der Gift und Galle-Merksätze, die sich neben den gängigen Religionsmetaphern nahtlos ins Poesiebuch der Band einprügeln lassen. Soweit alles beim Alten auf ‚From Parts Unknown‚ also?

Ja – nur noch besser. Die Gebrüder Buckley, Andy Williams, Ryan Leger und der zurückgekehrte Stephen Micciche haben unter Ägide von Ballou die aufbäumenden Auswüchse all der übereinander herfallenden Genrefronten gar nicht so heimlich, still oder leise über die Kippe getrieben und sich selbst in den roten Bereich der erarbeiteten Komfortzone aufgestachelt: Ballou kitzelt in nahezu jeder Hinsicht das kleine Quäntchen Mehr aus den Rippen der Band. Da sind die Hooks im punkiger Sludge-Rocker ‚Decayin‘ With The Boys‚ und im rasenden ‚Thirst‚ derart unnachgiebig, dass es schon beinahe poppig ist, während The Gaslight Anthem-Fronter Brian Fallon ‚Old Light‚ neben der Spur entrückt zum regelrecht straighten Alternativepunker galoppieren lässt.
Im über allem thronenden Albumhighlight und -mittelpunkt ‚Moor‚ reiben sich Every Time I Die dann zwischen einer schief-verzweifelt hämmernden Ein-Ton-Horrorpianoballade und einem drückenden Doomrock-Brocken mit Benzin in den Adern auf: so hat man die Partysäue aus Buffallo noch nicht gehört. Dazu gibt’s die vielleicht beste Gesangsleistung von Buckley überhaupt, wie der sich in eine verstörend-blutrünstige Rachefantasie am Peiniger seiner Frau hineinsteigert: „There is so much beauty and love/And when I eat his beating heart/I can bring it back to us„.

Die andere Seite des Gefechts: „Es ist mein Ziel, dass ein Album härter wird als das letzte„, sagt Buckley. ‚The Great Secret‚ tackert seine bestialischen Metalgitarren deswegen gleich eingangs am Thrash aufgescheuert bretthart knüppelnd aufs Gaspedal, ‚Pelican of the Desert‘ ist ein Explosionsringelspiel mit hirnwütigem Gebrüll und fiebriger Aggression von Coalasce-Meister Sean Ingram. Das psychotische ‚Overstayer‚ zerfleischt sich förmlich selbst, ‚If There Is Room To Move, Things Move‚ oder der gnadenlos gesteigerte Schlusspunkt ‚Idiot‚ wüten vollkommen manisch und unberechenbar auf höchstem Converge-Niveau, ein brutal-aufstickender Hochgeschwindigkeitssport wie der Wüstenirrsinn ‚El Dorado‚ lässt Instrumente implodieren.
Wieder einmal machen Every Time I Die alles richtig, abermals sogar besser als bisher. ‚From Parts Unknown‚ optimiert einerseits das Stilamalgam der Band auf beeindruckende Weise und hebt die Band durch die Expansion in die Extreme zusätzlich auf ein neues Level – dagegen wirken selbst hervorragende Vorgängerplatten wie ‚Ex-Lives‚ wie limitierte Kindergeburtstage. Das eigentlich großartige daran ist allerdings: das klingt alles derart unangestrengt, das man sicher sein kann, dass die kongeniale Konstellation Every Time I Die/Kurt Ballou keineswegs bereits am Maximum arbeitet.

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