Sun Guts – Kilonova

von am 12. Februar 2026 in Album

Sun Guts – Kilonova

Auch auf Raumstationen im interstellaren Raum muß mit mathematischer Präzission gemosht werden. Greg Kubacki klassifiziert Kilonova, das Debüt seines Solo-Projekts Sun Guts, also als „Lasercore“ oder „ignorant instrumental mathcore for aliens“. Passt!

Konventioneller betrachtet haben wir es jedoch mit einer auf Vocals verzichtenden Variation seiner den Djent und Prog im Tech programmierenden Stammband Car Bomb zu tun: Ästhetisch relativ deckungsgleich, dazu ebenso vertrackt und komplex inszeniert.
Worin auf den Erstkontakt die Schwäche von Kilonova zu liegen scheint – ohne das harsche Gebrüll scheint der Platte einfach eine elementare Ebene abzugehen.
Tatsächlich erweist sich der instrumentale Charakter aber als Vorteil, lässt er doch den Blick auf die Stärke der Kompositionen und Musik an sich ungefilterter zu.

So fällt auch auf, dass gleich der eröffnende Titelstück zwar nach erwarteter Formel Whammy-Laserstrahlen verschießt, sich jedoch alsbald zu einer freier liegenden Landschaft aufmacht, um seine Abenteuer mit eigenem Charakter als klar erkennbar bleibendes Spin Off des Mutterschiffs zu erleben.
Während Melodien zu vertrackten Rhythmen  als Sperrfeuer zappeln oder zerfließen nach oben und unten verbiegen, und kurze (durchatmende) Ambient-Interludes wie das die Schaltkreise rückwärts betrachtende Through an Ocean of Keys und das schimmernde Mysterium Silverdrone die Zusammenarbeit von Kubacki mit Ben Frost in Erinnerung rufen (derweil der Groove von Tile Whisper Dreams immer wieder trägt, oder auch das Engagement als Gojira-Tour-Ersatz Spuren beim Amerikaner hinterlassen hat) und den mit 34 Minuten ohnedies sehr kompakten Verlauf noch pointierter und kurzweiliger erscheinen lassen.

Kubacki speist immer wieder neue Ideen in das präzise System und hält den im Grunde leicht zu erfassenden MO damit spannend.
Entlang der Lehren von Meshuggah rockt Pyro Prosthetics beinahe straight und Perpetuals entwickelt sich zu einer heroischen Triumphgeste samt Lounge-Remix-Abgang. Brute Force Defense fetzt besonders zwingend durch das High-Tech-Labyrinth, bevor Slop Tactics wie die hirnwütige Revolte eines retrofuturistischen Computers klingt, der mit Gewalt gepackt wird, um Hand in Hand zu einem Actionfilm zu wetzen.
Oszillierende Sound-Effekte fiepen durch das Geschehen, sind aber nicht so elementar wie eine imaginativer angelgte Atmosphäre. Weswegen das gar nicht sterile (aber trotzdem in ein passendes Artwork gesteckte)  Kilonova in Summe auch weniger eine Methadon Kur für den schon so lange auf sich warten lassenden Nachfolger von Mordial ist, als vielmehr eine vielschichtige Ergänzung des Car Bomb’schen Kosmos auf absolut vertrauter Ebene.

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