Sun Kil Moon – Next Stop Vienna to Rome

von am 9. November 2025 in Single

Sun Kil Moon – Next Stop Vienna to Rome

Im Sad Reminders-Subreddit bringt es jemand ganz gut auf den Punkt: Ein bisschen ist Next Stop Vienna to Rome das Song-Äquivalent zu „der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen„.

Als Kozelek Next Stop Vienna to Rome via This Is My Town (unter seinem mutmaßlich richtigen, auf etwaigen Streaming-Portalen falsch geschriebenen Titel) veröffentlicht, sitzt der Frust über die nicht stattgefunden habende Sun Kil Moon-Show in Wien (wegen des von einer relativ überschaubaren Tour erschöpften Musikers) persönlich immer noch tief.
Besten Gruß an dieser Stelle übrigens an die Veranstalter, die das Event zwar über die eigene Website und via Facebook gecancelt haben (blöd natürlich für all jene, die dort kein Konto besitzen und erst durch den handgeschriebenen Zettel an der Location-Türe über die Absage informiert wurden) und vor allem Öticket, die es zwei Tage nach der Info auf Caldo Verde immerhin eine halbe Stunde vor Setbeginn doch noch schafften, eine entsprechende Mail an Kartenkäufer auszuschicken. Sehr solider Service!

Nun, knapp eine Woche später – bzw. eigentlich die rund 9 Minuten Spielzeit der entsprechenden Nummer selbst – haben sich die Wogen mit ambivalenten Beigeschmack zumindest ein wenig geglättet.
Zwar ist es so, dass die via Next Stop Vienna to Rome anylisierte Gig-Storno auch nach einer ausführlichen Bestandsaufnahme – in der der bald 69 jährige Kozelek „sick as a dog“ allerhand Dinge fotografiert, Kaffee-Präferenzen klärt, durch den Regen wandert, endlos telefoniert oder mit Amoeba-Kumpel (respektive Tour-Begleiter) Ben der Natur lauschend abhängt – subjektiv weiterhin jene halbgare Notwendigkeit ausstrahlt, die Morrissey zu Ehren genügen würde.
Andererseits ist Next Stop Vienna to Rome (bis auf seine hinten raus wirklich nervende „I love Portugal“-Repetition) eine wirklich schöne Nummer geworden, in der wundervoll zurückhaltend nuancierter Klavierambient verhuscht aufbrandendem Gitarren-Geplänkel begegnet, dezente Akzente wie Summen und Handclaps einem müden Mann in fatalistischer Elegie ruhig und langsam umspülen, und die ganze Stimmung einfach traumwandelnd dicht abholt.
Mit der Erklärung mag Kozelek also nicht ganz durchkommen – es ist aber zumindest auch etwas Gutes aus der Misere entstanden.

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