Taylor Grace – Wild One: Taylor Grace Performs Thin Lizzy

von am 27. Februar 2026 in Album

Taylor Grace – Wild One: Taylor Grace Performs Thin Lizzy

Nach dem eh sehr okayen, im kontemporären Easy Listening Country verorteten Debütalbum Hello Stranger 2024 verneigt sich Taylor Grace als The Wild One für ihr Zweitwerk vollständig vor Thin Lizzy.

This is a wildly good record y’all. My wife singing Thin Lizzy like they’re brand new. I remember we were in Fargo when Taylor played the mixes for me. I really couldn’t believe it. It has the real classic rock n roll feel from the early 70s that’s so hard to capture. There’s a couple you might know and a lot she’s made into her own.
Charley Crockett ist also schon mal begeistert – aber eben auch nicht gerade die objektivste Indikator.

Tatsächlich ist Wild One: Taylor Grace Performs Thin Lizzy eine rundum solide Angelegenheit, die die Begeisterung von Crockett aus neutraleren Perspektive betrachtet jedoch kaum nachvollziehbar erscheinen lässt. Grace‘s Begleitmusiker (unter anderem in wechselhafter – um nicht zu sagen: austauschbarer – Besetzung die Drummer Jordan Cook und Jay Moeller, Gitarrist Andrew Trube oder die Bassisten Anthony Farrell und Willie Pipkin) spielen die Songs von Phil Lynott und Co. absolut souverän nach, während die Protagonistin davor ordentlich und brav singt, die Vokale am Ende einer Strophe oft aufdringlich dehnt, und sich eh versucht, leidenschaftlich in das Material zu legen.

Allerdings ist Grace eben auch eine überschaubar talentierte Sängerin, der das lasziv gemeinte Hardrock-Ambiente zudem auch nur bedingt entgegenkommt. (Weswegen die ruhigeren Stücke wie dem Titelsong auch die klaren Highlights der Platte darstellen – obgleich nicht nur das sentimental plätschernde A Song for While I’m Away arg an der Langeweile entlangdümpelt). Dass der in Eigenregie produzierte Sound zu sauber und aufgeräumt kaum Spannung zulässt, tut sein Übriges.

Wild One: Taylor Grace Performs Thin Lizzy macht per se nichts falsch, doch das richtige Feeling und Flair fehlt einfach. Alles wirkt seltsam bemüht und wenig authentisch, der emotionale Zugriff der Originale fehlt. Es entsteht keine Intensität, kein packendes Momentum, man spürt keine Leidenschaft. Bezeichnend dafür ist beispielsweise der Moment, wenn Grace in It’s Only Money ihren Mitmusikern ein „Stick em up!“ zuruft und sie damit eigentlich von der Leine lässt – nur das Geschehen dennoch fast einzupennen scheint. Wenn da eine Euphorie für die Sache ist, springt der Funke schlichtweg nicht zündend über.
Dennoch kommt man nicht umher, diesem ambitionsfrei umgesetzten, wiewohl nicht unangenehm unterhaltenden Fan-Projekt zuzugestehen, dass es entlang seiner tollen Songauswahl durchaus eine gute Gelegenheit bietet, sich als Neuling dem Schaffen von Thin Lizzy zu nähern.

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