Tom Morello – Everyone Gets Everything They Want
Nomen est Omen: Tom Morello will es mit dem (in einem veritablen Thursday-Lookalike verpackten) Clusterfuck Everyone Gets Everything They Want einem Grossteil seiner Fans Recht machen.
Ein Unterfangen, das nicht trotz, sondern gerade wegen seiner möglichst komfortzonensicheren Veranlagung besser gelingt, als man meinen müsste: Ja, selbst als großer Morello-Skeptiker kann man anerkennend attestieren, dass Everyone Gets Everything They Want um Klassen besser ist als der Mist, den er als The Atlas Underground verzapft hat, und alleine insofern überzeugt, als dass es deutlich über der Erwartungshaltung abliefert (und sich deswegen eine irrational wohlwollend aufgerundete Bewertung verdient).
Wobei schon das mit seiner mies zur penetranten Stadion-Wucht produzierte Intro Beth From Electronics vorwegnimmt, dass Morello sich auf Riffs verlassen wird, die man so schon unzählige Male bei seinen beiden großen Bands gehört hat. Der direkt übernehmende Audioslave-Hardrock des Titelstücks unterstreicht dies mit uninspirierter Routine, während der Protagonist vollkommen ironiebefreit einen auf dunkel und stimmungsvoll erzählenden Leonard Cohen macht. Das ist ein skurril, funktioniert aber halbwegs. Schade nur, dass der enervierend simpel zusammengekleisterte Refrain eine so schale 08/15-Mitsing-Banalität darstellt.
Adjourn It geht umgekehrt proportional gestrickt in derselben Gangart noch konsequenter zu Werk, doch Serj Tankian rettet im Semi-Rap-Modus viel. Dass die Texte politisch motiviert, aber ungefähr so raffiniert wie ein trivialer Vorschlaghammer sind, versteht sich von selbst.
Diesen ambivalenten Charakter – sowohl das qualitative wie stilistische Niveau betreffend – behält Everyone Gets Everything They Want auch in weiterer Folge bei.
Das irgendwie charmant überraschende, sicherlich etwas zu lang ausgefallene I Am Not Yours to Command fällt etwa als in der Lounge gecroonte (eigentlich: sprechgesungene) Klavierballade mit latentem David Duchovny-Flair komplett willkürlich aus dem Rahmen. In Unconquered gibt ein ziemlich redundanter Morello dagegen das unscheinbare Feature auf einem absolut soliden Kneecap-Standard mit Methods of Mayhem-Feeling. Everything Burns übersättigt die Audioslave-Blaupause mit einer Beartooth-Stadion-Animation zu Tode produziert, bevor das gefällige The Last Rung on the Ladder den Nightwatchman gemütlich auf der Americana-Prärie dahinlaufen lässt: Marke King Dude in harmlos, aber durchaus stimmungsvoll.
Überhaupt gilt: Das alles ist Kraut und Rüben, weder Fleisch noch Fisch, zumeist langweilig glatt inszeniert. Doch – auch wenn das kein wirkliches Lob ist – man hat Morello auf Solopfaden einfach schon viel mieser gehört, als hier.
In der Mitte der kurzweiligen Platte tut sich Everyone Gets Everything They Want als Nepotismus-Vehikel zwar wirklich keinen Gefallen (weil Sohn Roman in der mit hippiesken Revue-Backing-Ladies ausgeschmückten Rage Against The Machine-Stangenware Soldier in the Army of Love zwar eh ganz nett, aber eben doch absolut blass und energiefrei rappt, derweil das dumpfe Date Night mit seinem Dancepunk-Drive und – vom Mix ohnedies halbwegs lahm aus dem Spiel genommenen – Gesang kein Geheimnis daraus macht, dass die Stimme und Intonation des 15 jährigen einfach gar nicht interessant oder emotional packend ist, wohingegen seine Riffs einfallslose Kopien aus dem limitierten Baukasten des Vaters darstellen).
Dafür überzeugt das Werk hinten raus: Pretend You Remember Me ist solide getragener, halbgesprochener Rock der routinierten Sorte, und das ruhigere Untethered addiert in der Strophe eine dezente Nine Inch Nails-Atmosphäre, bekommt im Chorus von Sam Nelson Harris eine fast subversive Nonchalance mit auf den Weg, und gefällt auch ohne allzu gravierend nachwirkender Originalität.
Soviel Trittsicherheitheit hätte übrigens auch They Can’t Kill Us All nicht geschadet. Den reduzieren Folk des Closers mit prätentiösen Streichern, einer willkürlich herbeibemühten Mundharmonika und einem wohl episch gemeintem Arena-Puls aus der am Reißbrett konstruierten Dose auszustatten, zeugt nicht gerade von Geschmack, ist aber ein treffender Ausdruck der anbiedernden Oberflächlichkeit der Platte.


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