Twin Temple – Doomed Lovers
Die Doomed Lovers Alexandra undd Zachary James sind die großen Gewinner der unangenehmen Fehde zwischen Jack White und Charley Crockett. Das in diesem Windschatten folgende dritte Studioalbum des Duos Twin Temple will aus diesem Umstand aber eigentlich kein Spektakel machen.
Den Schwung der medialen Präsenz einer enervierende Schlammschlacht übersetzen die beiden Satanisten unter der Ägide von (ausgerechnet!) Shooter Jennings in die Arme einen 37 köpfigen Orchesters gebettet (welches, nebenbei gesagt, das Kunststück schafft, niemals bombastisch, prätentiös oder pompös aufzutreten, sondern zurückhaltend im Dienste der Songs hinter der gewohnt bezaubernden Sängerin steht) und justieren ihren ausbaden Zeit gefallenen Sound damit endgültig mehr am Brill Building und Pop Soul, als am Doo Woop – als hätte Roy Orbison eine Amy Winehouse-Platte inszeniert.
Eine Ausrichtung, die in der (gefühl)vollen Produktion angenehm den puren Schön- und Wohlklang pflegt, durch seine glatte Sauberkeit auch gewissermaßen moderner anmutend, als es beim Debüt Bring You Their Signature Sound….Satanic Doo-Wop (2018) und dem Nachfolger God is Dead (2023) der Fall war.
Wo die Gitarre nur noch ein sparsam auftauchendes verzierendes Element ist (das im mit romantischer Sehnsucht schwofenden Mariachi-Vibe von I Want Blood oder der countryesk verschmusten Harmoniesucht von Love You to Death ein klein wenig dominanter auftritt), gibt das Titelstück als gefällige 50er-Ballade die Ausrichtung vor, die richtige Balance aus Kitsch und verträumter Anmut findend.
Possessed schunkelt anmutig schreitend mit tänzelnder Nonchalance, Haunt Me gibt sich ein wenig schwerer und andächtiger und die Fanfaren in der gemütlich bimmelnden Nostalgie Someone in the Walls scheinen eine direkte Reminiszenz an das Cover von Will You Still Love Me Tomorrow? zu sein.
Soweit zieht Doomed Lovers auch betörend in seinen Bann, barrierefrei und unangestrengt, praktisch nichts falsch machend. Sobald Monster in seine Arrangements gelehnt schleicht, breitet sich jedoch auch eine gewisse Gleichförmigkeit aus, die den aktiven Konsum abseits der berieselnden Hintergrund-Beschallung ein wenig auslaugend macht. Dadurch wird die Platte nicht weniger stimmig. Doch ein paar reibende Impulse außerhalb der Komfortzone hätten der Spannung spätestens in diesen letzten Minuten des kurzen Verlaufs gut getan.
Einerseits ist die Band insofern zwar schlau genug, die Dinge mit einer Spielzeit von gerade einmal 25 Minuten kompakt zu halten. Andererseits lässt diese Entscheidung auch den Umstand umso schwerer wiegen, dass das gewisse etwas (in Form eines wirklich herausragenden Songs etwa) fehlt.
Dass mit Nothing Matters ein potentieller Schlager aus der Vergangenheit den Rahmen schließt, der nach den vorangegangenen Ohrwürmern im Autopilot plätschernd keine hängen bleibenden Melodie und Hook mehr bieten kann, verschärft diese Problematik minimal, gibt Doomed Lovers keinen wirklich aufregenden Beigeschmack mit auf den Weg. Für derartiges muss man sich aber, im positiven wie negativen, dem Geplänkel an den Fronten jenseits der Musik zuwenden.


Kommentieren