Uboa – All the Dead Melt Down as Rain

von am 7. Juli 2025 in EP

Uboa – All the Dead Melt Down as Rain

All the Dead Melt Down as Rain, die erste von drei für 2026 anstehende Veröffentlichungen aus dem Hause Uboa, ist nun abseits von Patreon auch auf den gängigen Streaming-Diensten angekommen.


Was alleine deswegen eine verdammt willkommene Sache ist, weil die aufgefahrenen 33 Minuten im Windschatten von Impossible Light zum Besten gehören, was Xandra Metcalfe bisher aufgenommen hat: Australien wird durch Uboa mit einem praktisch durchgehend verflochtenen Werk zum misanthropisch-unbehaglichen, mit geradezu dämonischer Intensität anziehenden kreativen Epizentrum für schmerzhaften Death Industrial, Harsh Noise und Dark Ambient.
Wie schon beim grandiosen Langspieler von 2024 gilt dabei, dass das Ganze mehr ist, als die Summer seiner einzelnen Teile. Wobei die fünf Tracks von All the Dead Melt Down as Rain hinter dem verstörenden Artwork auch für sich genommen so eindringliche, in sich geschlossene Szenen existenzieller Reibung im Kontrast aus avantgardistischer Dekonstruktion und dennoch nachvollziehbaren Songwriting bieten.

Cleansed of Spirits rezitiert seine Wünsche über der vergifteten Erde einer alptraumhaften Welt, in der der Sex steril, Spielplätze nadelverseucht und der Wunsch nach sozialer Nähe blanke Angst bedeuten kann. Dystopische Soundfläche fangen den Drone in Wellen ein, düster und bedrohlich. Störgeräusche und Interferenzen bieten Auftrittsfläche und verletzen. Als hätte Pharmakon einen sphärischen Soundtrack mit einem Noise-Gedicht infiziert, das sich am Ende den kasteienden Schmerz aus dem klaustrophobischen Herz schreit.
A Body, Shapeless and Divine erinnert dagegen eher an eine Symbiose aus Xiu Xiu und Kid 606, die elektronische Khanate dekonstruieren. Funkfeuer interferiert, Uboa brüllt in der Distanz und fesselt in beklemmender Nähe. Wuselnde Horror-Streicher illustrieren psychotisch die vielschichtige Beklemmung, reinigen aber auch.

So kann mit Prole Ana das ätherische Herzstück der EP wachsen: All the Dead Melt Down as Rain beruhigt sich in dieser Phase geradezu erlösend. Ab der Hälfte der fast neuneinhalb Minuten Spielzeit singt Uboa gar melodisch zu einem so traurigen, so schönen Drone Metal, dessen verzweifelte Zugänglichkeit in stellarer Einsamkeit schwebend letztlich jedoch in der gleißenden Kakophonie eines mechanischen Infernos verglüht. Dort schmiegt sich A Misremembered Dream seinem Titel entsprechend in einen versöhnlichen Kosmos: als würde eine Raumkapsel frei schweben, unter externen Kräften vibrieren, und sich dabei an Anmut des Kosmos reiben, derweil eine leise keimende Panik über die Erhabenheit der eigenen, ansatzweise friedvollen Existenz in diesem widrigen Kontext staunt. Das Szenario hält dem Druck Stand, explodiert nicht, stellt sich seiner heroischen Angst – so hätte sich Sunshine womöglich als Lynch-Film anfühlen können.
In der auf elegische Weise dysfunktionalen Klavierballade A Windowless House (Deconditioning) heißt es dann „I‘m so, so tired“ und erst lehnt sich Uboa auch nicht gegen diese Welt auf, sondern gleitet in ihr luzid aufgehend. Doch die Katharsis muss wehtun, darf sich keine Komfortzone gönnen und explodiert deswegen in kontrollierten Schüben, hasserfüllt.
Auf All the Dead Melt Down as Rain verstärken sich so die typischen Kontraste des Projekts, schärft sich der Fokus von Metcalf – man kommt dem Kern von Uboa vielleicht näher denn je.

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