Witchcraft – A Sinner’s Child
Magnus Pelander unterstreicht mit der EP A Sinner’s Child, dass ihm im vergangenen Jahr mit Idag der kaum noch für möglich gehaltene Turnaround im qualitativen Niedergang von Witchcraft gelungen ist.
A Sinner’s Child kündigt sich als „striking and intimate new chapter“ der Schweden an, fühlt sich dabei aber eher als Epilog von Outtakes des siebenten Studioalbum an, dessen Material es nur aufgrund spielzeittechnischer Bedenken nicht auf Idag geschafft hat.
Aufgrund der relative Kompaktheit von gerade einmal 20 Minuten Gesamtspielzeit separiert fällt die von Pelander und Co. an den Tag gelegte Vielseitigkeit in ihrer neuerlichen Wurzelbesinnung allerdings noch deutlicher auf – praktisch jeder der fünf Songs gewichtet andere Schwerpunkte des stilistischen Witchcraft-Spektrums -, weswegen sich das Sammelsurium A Sinner’s Child in Summe auch weniger kohärent anfühlt, als das Album-Mutterschiff, seine individuellen Stärken (und Schwächen) dadurch aber auch expliziter erfassbar macht.
Drömmen Om Död Och Förruttnelse lässt seine (sich irgendwann trotz der relativen Kompaktheit der Nummer ziehenden) Repetition schwerfällig eiernd grooven und zeigt den herrschaftlichen Okkultismus des Proto Doom aus der Black Sabbath-Schule, der durch die grandiose Produktion (klar, naturalistisch, kräftig, alle Elemente des Sounds verdient akzentuierend) zusätzlich an Profil gewinnt.
Danach schippert das Titelstück locker und entspannt, chillt quasi im Urlaubsmodus schippernd, gefühlvoll und warm, mit einer Stimmung, in die man sich verträumt hineinlegen kann. Das irgendwo zwischen Jazz, Blues und Soul so unaufgeregt zappelnde Update Sinner’s Clear Confusion ist später allerdings trotzdem noch einmal eine Ecke besser.
Der Mittelteil der EP fällt dazwischen jedoch deutlicher aus dem Rahmen. Even Darker Days sogar klanglich – ein Hintergrundrauschen fängt den ganze knarzenden Raum hinter der stillen Solo-Nummer ein. Pelander zupft intimen Folk, minimalistisch und ebenso melancholisch wie nostalgisch. Eine Erinnerung an Black Metal, wenn man so will – die auf Idag wohl auf ein halb so langes Zwischenspiel gekürzt worden wäre.
Själen Reser Sig setzt dagegen weniger auf den wiedergefundenen Retro-Vibe der Band, wie es seinen Doom beinahe zum zäh bratzenden Sludge schleppt. Der Kontrast aus Heaviness und Pelanders charismatischer Stimme ist toll, kann aber auch nicht verschleiern, dass Witchcraft ihren Reiz hier eher aus der Ästhetik, denn aus der Kraft eines halbwegs originellen Songwritings ziehen. In der Renaissance der Band kam man damit aber gut leben – und der Pelander bei aller Liebe nicht mehr zugetraute (hier nun durch Konstanz untermauerte) Umkehrschwung über die Erwartungshaltung hinweg lässt bei der Bewertung zudem aufrunden. Also:


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